Schweinemastanlage in Haßleben

Luftaufnahme von der Schweinemastanlage in Hassleben.

Weiterer Erfolg im Kampf gegen die geplante Schweinemastanlage in Haßleben (Brandenburg): Der Eigentümer ist mit seinem Antrag, vorzeitig mit dem Bau der Anlage beginnen zu dürfen, im Dezember 2013 gescheitert. Er hat den Eilantrag zurückgezogen, nachdem mehrere Verbände schwerwiegende Argumente vorgetragen hatten.

Im August hatten wir Widerspruch gegen die tierschutzwidrige Schweinemastanlage eingelegt, nachdem deren Wiederinbetriebnahme genehmigt worden war. Kurz vorher hatten wir an die zuständige Ministerin für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg appelliert, gegen den Behördenbeschluss zu intervenieren.

Seit 2004 planen Investoren, die im Jahr 1991 stillgelegte Schweinezucht- und Mastanlage mit einer Kapazität von mehr als 36.000 Schweinen (ursprünglich 85.000 Tiere) im Norden der brandenburgischen Gemeinde Haßleben, Landkreis Uckermark, wieder in Betrieb zu nehmen. Neun Jahre lang konnten wir die Wiederinbetriebnahme verhindern.

Hintergrund

2005 reichte der Investor, die holländische Gennip GmbH, seinen ursprünglichen Plan, der die Haltung von sogar 85.000 Schweinen vorsah, bei dem zuständigen Landesamt ein. Seitdem formierte sich ein massiver Widerstand gegen diese tierquälerische und umweltschädigende gigantische Großanlage. Später reduzierte der Investor zunächst auf 67.000 Tierplätze.

Im Frühling 2008 entschied das Landesumweltamt, die geplante Anlage nicht zu bewilligen. Als Ablehnungsgründe wurden ausschließlich Gründe des Umweltschutzes angeführt. Tierschutzaspekte blieben leider unberücksichtigt. Im Juni 2008 reichte der niederländische Investor einen geänderten Antrag mit verringerter Tierzahl beim Landesumweltamt ein.

Leider änderte auch dieser nichts aus der aus Tierschutzsicht abzulehnenden Haltung. Die Zuchtsauen sollen in Haßleben größtenteils einzeln in Kastenständen gehalten werden. Die Haltung der Mastschweine ist in Buchten mit Vollspaltenboden geplant. Im gesamten Tierbereich ist eine Beleuchtung über Kunstlicht mit der Stärke von 50 Lux vorgesehen - das entspricht Dämmerlicht.

Gutachten contra Investor-Antrag

Zwischen Sommer 2005 und Winter 2007 hatten wir mehrere Einwendungen gegen die industrielle Schweinemast- und Zuchtanlage Haßleben eingereicht, die auf wissenschaftlichen und juristischen Gutachten basierten. Hier lesen Sie die Zusammenfassung des Gutachtens „Zur Tiergerechtheit der intensiven Schweinehaltung", das vom Lehrstuhl für Landwirtschaft der Fachhochschule Eberswalde für den Deutschen Tierschutzbund erstellt wurde. Im Herbst 2006 wurde es zusammen mit einer rechtlichen Bewertung beim Landesumweltamt Brandenburg eingereicht.

Für dieses Fachgutachten hatten die Wissenschaftler Daten über Verletzungen von Schweinen in hoch industrialisierten Haltungen nach Häufigkeit und Schwere ausgewertet und mit den Daten aus tiergerechten Ställen verglichen. Es zeigte sich, dass bei Schweinen aus der Massentierhaltung schmerzhafte Verletzungen und Krankheiten gehäuft auftreten. Bis zu 75 Prozent der Schweine leiden an Gelenkserkrankungen und 68 Prozent können wegen Sohlenverletzungen nur eingeschränkt laufen. Hinzu kommen Bissverletzungen und Hautinfektionen.

Verursacht werden diese Erkrankungen durch das Einpferchen der Schweine in zu kleine Betonställe auf Spaltenböden ohne Stroh. Die Sterblichkeit liegt dort bis zu sechsmal höher als in Ställen mit viel Stroh und Freiraum. Die geplante Anlage verstößt gegen Paragraph 2 des Tierschutzgesetzes, die eine verhaltensgerechte Unterbringung von Tieren vorschreibt.