Schweine

Mastschweine dicht gedrängt im Stall

Die gängige industrielle Schweinehaltung ist nicht tiergerecht. Sie widerspricht dem Tierschutzgesetz, dem zufolge ein Tier seinen Bedürfnissen entsprechend verhaltensgerecht untergebracht werden muss. Die Stallungen werden jedoch so gebaut, dass die Landwirte möglichst wenig Arbeit haben. Schweine stehen daher auf Betonspaltenböden, durch die Kot und Urin hindurchfallen. Damit entfällt das Ausmisten. Es entsteht allerdings konzentrierte Gülle, deren Gase schädlich für die Atemwege von Mensch und Tier sind und die sich in zu großen Mengen schädlich auf die Umwelt auswirkt.

Haltungsbedingungen

Mastschweine

Millionen deutscher Mastschweine vegetieren in engen, reizarmen Ställen bewegungslos dahin. Durch die stark leistungsorientierte Zucht in den letzten Jahrzehnten und eine energiereiche Fütterung erreichen die Tiere innerhalb rund eines halben Jahres ihr Schlachtgewicht von ca. 120 kg. Die hohen Mastzunahmen in viel zu kurzer Zeit führen jedoch zu einer Überlastung des Bewegungsapparates und des Herz-Kreislauf-Systems, was für die Schweine mit Schmerzen und Stress verbunden ist. Die Haltung auf Vollspaltenböden führt weiterhin zu Klauenverletzungen und Lahmheiten verschiedenster Ursache. Die Tiere bekommen keinen Auslauf. Suhl- und Scheuermöglichkeiten sind nicht vorhanden. Es gibt kein Material wie etwa Stroh, das zum Bearbeiten, Wühlen oder für den Nestbau geeignet wäre.

Die Langeweile ruft Verhaltensstörungen hervor wie "Stangenbeißen", "Trauern" (das Tier sitzt auf seinen Hinterläufen und lässt den Kopf hängen) oder "Schwanzbeißen" bis hin zum Kannibalismus.

Damit die Tiere ihre aufgestauten Aggressionen nicht aneinander auslassen und sich gegenseitig verletzen, kupiert man ihnen prophylaktisch die Schwänze - anstatt die Ursachen für den Stress, wie die Haltung auf engstem Raum und ohne ausreichend Beschäftigungsmaterial, zu beseitigen. Dies geschieht ohne Betäubung und ohne die Gabe eines Schmerzmittels, obwohl längst erwiesen ist, dass der Eingriff schmerzhaft für die Tiere ist.

Sauen

Zuchtsau. © T. Lödermann
© T. Lödermann

Sauen müssen seit 1. Januar 2013 laut EU-Richtlinie über die Mindestanforderungen für die Haltung von Schweinen mindestens ab 4 Wochen nach dem Decken bis eine Woche vor dem Geburtstermin in Gruppen gehalten werden. Dies ist zwar eine Verbesserung für die Tiere, da sie zuvor dauerhaft in Kastenständen gehalten wurden, doch beträgt die Zeit, die sie jetzt noch darin verbringen, mindestens 9 Wochen pro Abferkelzyklus. Die Kastenstände ermöglichen es den Sauen nicht, sich umzudrehen oder einige Schritte zu tun, nur Aufstehen und Abliegen sind darin möglich.

In den Kastenständen können die Sauen ihre artgemäßen Verhaltensweisen wie Nestbau- oder Erkundungsverhalten nicht ausleben. Sie sitzen teilnahmslos da oder beißen an den Gitterstäben ihrer Behausung herum. Auch die Abferkelbucht bietet den Tieren keine besseren Bedingungen.

Die Muttertiere sind fixiert, damit sie sich nicht auf ihre Ferkel legen. Völlig unberücksichtigt bleibt hierbei, dass Sauen das Bedürfnis haben, ein Nest für ihre Ferkel zu bauen, wie es ihrer Natur entspricht. Die Ferkelverluste bei Haltung der Sauen in freien Bewegungsbuchten sind übrigens im Vergleich zur Fixierung im Kastenstand nicht erhöht.

Dadurch, dass  sich die Sauen kaum bewegen können, werden sie häufig krank. Eine direkte Folge davon ist der MMA-Komplex, eine äußerst schmerzhafte Gesäuge- und Gebärmutterentzündung, die mit Milchmangel einhergeht. Wenn die Tiere aufgrund gesundheitlicher Probleme oder mangelnder Fruchtbarkeit nicht mehr genug Leistung bringen, werden sie meist schon nach wenigen Jahren durch neue Jungsauen ersetzt und geschlachtet.

Ferkel

Durch die intensive Zucht auf hohe Fruchtbarkeit bei den Sauen ist die Wurfgröße in den letzten Jahrzehnten immer mehr gewachsen. Die höhere Anzahl geborener Ferkel bringt jedoch nicht nur die vom Landwirt gewünschte gesteigerte Produktivität mit sich, sondern auch massive Probleme für den Tierschutz. So haben bei hohen Wurfgrößen viele Ferkel ein zu geringes Geburtsgewicht und dadurch eine geringere Vitalität und Überlebenschance. In Intensivtierhaltungen wird aus wirtschaftlichen Gründen keine Zeit in eine intensive Betreuung dieser neugeborenen Ferkel investiert. Sie sind zu schwach zum saugen, erkranken und verenden qualvoll oder werden getötet. Die Tötung solcher Ferkel erfolgt jedoch nicht immer tierschutzgerecht, das heißt nicht selten kommt es zu fehlerhafter Betäubung und Tötung, sodass Leiden und Schmerzen der Tiere verlängert – und u.U. auch verschlimmert - werden.

Muttersau mit Ferkeln. © Holger Over
Muttersau mit Ferkeln. © Holger Over

Darüber hinaus führt die Zucht auf höhere Wurfgrößen auch zu „überzähligen Ferkeln“, für die die Anzahl an Zitzen bei der Sau nicht mehr ausreicht. Da diese Ferkel von Ammensauen gesäugt werden müssten, also einen höheren wirtschaftlichen Aufwand bedeuten, werden diese häufig getötet. Dieses Vorgehen ist jedoch ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, da kein vernünftiger Grund für das Töten vorliegt.

Um das Entstehen des typischen Ebergeruchs zu vermeiden, werden männliche Ferkel bis zum Alter von sieben Tagen kastriert. Dies geschieht routinemäßig ohne Betäubung. Dem deutschen Tierschutzgesetz zufolge ist dies über eine Ausnahmeregelung erlaubt, doch in den meisten konventionellen Zuchtbetrieben ist es leider eine Routinemaßnahme. Die Beine des Ferkels werden dabei auseinander gespreizt und fixiert. Die zarte Haut, die die empfindlichen Hoden des kleinen Tieres schützt, wird mit einem Messer aufgeritzt, die Hoden werden herausgezogen und mit dem Messer abgeschnitten. All dies geschieht im Akkord und in der Regel unter entsprechend grober Handhabung der Tiere.

Frisch kastrierte Ferkel zittern am ganzen Leib. Da der Eingriff von Laien und oft unter hygienisch nicht einwandfreien Bedingungen durchgeführt wird, kommt es im Nachhinein häufig zu Infektionen. Es steht außer Frage, dass die Ferkel während und nach der Prozedur große Schmerzen erleiden.

Die Kastration könnte mit Betäubung durchgeführt werden, doch aus wirtschaftlichen Gründen wird dies unterlassen.

Nach dem Absetzen von der Mutter (dritte bis vierte Lebenswoche) kommen die Ferkel bis zum Alter von zehn bis 15 Wochen (25 bis 30 Kilogramm Gewicht) in den Ferkelaufzuchtstall. Häufig werden die Tiere gruppenweise in Flatdecks gehalten. Das sind flache, unstrukturierte Buchten mit vollständig perforiertem Boden ohne Einstreu und keinem, zu wenig oder falschem Beschäftigungsmaterial. Pro Quadratmeter sind darin vier bis fünf Ferkel untergebracht. Flatdecks können bis zu drei Etagen übereinander gestapelt werden, man spricht dann von einer Ferkelbatterie.

Forderungen

Tiergerechte Freilandhaltung von Schweinen mit Hütten.
Tiergerechte Freilandhaltung von Schweinen mit Hütten.

Wir kämpfen für eine tiergerechte Haltung von Schweinen und fordern::

  • Verzicht auf die Kastration männlicher Ferkel oder Kastration nur unter Betäubung und Schmerzmittel
  • Verzicht auf das Kupieren der Schwänze
  • Höheres Platzangebot und Trennung von Liege-, Aktivitäts- und Kotbereich
  • Ausreichend große Liegeflächen für Sauen, Ferkel und Mastschweine
  • Liegefläche mit Stroh oder ähnlichem Material eingestreut
  • Stroh nicht nur als Einstreu, sondern auch zur Nahrungsergänzung, zum Wühlen und zur Beschäftigung
  • Abschaffung von Vollspaltenböden
  • Gruppenhaltung für trächtige Sauen direkt nach dem Decken
  • Abferkelbuchten mit freier Bewegungsmöglichkeit für Sau und Ferkel und Nestbaumaterial
  • Absetzen der Ferkel frühestens mit 28 Tagen
  • Zucht auf robuste, langsamer wachsende Schweine sowie auf kleinere und vitale Würfe
  • Tierschutzgerechte Tötung von Saugferkeln, wenn diese nicht überlebensfähig sind

Weiterhin fordern wir:

  • Bildung stabiler Gruppen
  • Kein späteres Mischen der Tiere
  • Keine Flatdeck-Haltung für Ferkel
  • Tageslicht im Stall
  • Auslauf im Freien oder Außenklimastall
  • Kein Markieren der Tiere mittels Einkerben (besser: elektronische Kennzeichnung)