"Mulesing" bei Schafen

Schafe auf der Weide.

Schafe werden meistens in der tierfreundlichen Freilandhaltung gehalten und sind hier nicht zu Tausenden auf engstem Raum im Stall eingepfercht. Aber auch in der Schafhaltung kommt es zu ungeahnten Quälereien. In Australien ist es besonders bei den sehr stark bewollten Merinoschafen üblich, das so genannte „mulesing“ durchzuführen.

Ein sehr großes Problem in der Schafhaltung - auch in Europa - ist der Befall von Fliegenmaden. Die Fliegen setzen sich in die warmen, feuchten, von Kot und Urin verschmutzten, schlecht belüfteten Hautfalten der After- und Genitalregion. Dort herrscht das optimale Klima für Maden, welche die Fliegen hier absetzen. Die Maden wandern in Haut und Unterhaut und fressen das Schaf bei lebendigem Leibe. Es kommt zu schweren Entzündungen und oft auch zum Tod des Schafes. Besonders bei hohen Außentemperaturen vermehren sich die Maden schnell.

Vorbeugung

Zur Vorbeugung gegen den Befall mit Fliegenmaden werden in Australien den Lämmern ohne Betäubung mit einer scharfen Schere Hautfalten um After, Vulva und Schwanz herausgeschnitten. Diese Wunden werden nicht weiter behandelt, sondern müssen von alleine heilen und vernarben. Auf dem Narbengewebe wächst keine Wolle mehr, es bleibt glatt und faltenfrei, so dass hier Maden nicht mehr angelockt werden.

Das „mulesing“ ist eine grausame und schmerzhafte Verstümmelung der Tiere und aus Tierschutzgründen entschieden abzulehnen. In Deutschland ist es verboten. Bei zu starken Verschmutzungen des Afters wird die umgebende Wolle geschoren, die Hautpartien werden aber intakt belassen.

Alternativen zum „mulesing“ sind in der Entwicklung und müssen vorangetrieben werden. Zum Beispiel arbeitet man an einem Stoff, der auf die Haut gegeben wird und der so die Hautfaltenbildung und das Wollwachstum verhindern soll. Eine andere Möglichkeit ist ein Clip, der die zu entfernenden Hautstellen abgeklemmt, so dass die Haut nach einigen Tagen abstirbt. Wie weit diese Methode allerdings unter Tierschutzaspekten akzeptabel ist, muss noch geprüft werden. Weitere Ansätze beschäftigen sich mit der Herstellung wirksamerer Insektizide. Am tierfreundlichsten ist der züchterische Ansatz, bei dem man versucht, die Tiere so zu züchten, dass sie im After- und Genitalbereich weniger stark bewollt sind.

Proteste gegen Mulesing

Gegen das „mulesing“ gibt es zahlreiche Proteste internationaler Tierschutzorganisationen und Boykottaufrufe gegen australische Wolle. Mehrere Handelsketten haben daraufhin die Verarbeitung australischer Wolle, die unter „mulesing“ der Schafe gewonnen wurde, eingestellt. Daraufhin erklärten sich die australischen Farmer bereit, das „mulesing“ bis 2010 einzustellen, falls die wissenschaftlichen Studien brauchbare Alternativen liefern. Bisher ist das allerdings nicht geschehen und das „mulesing“ geht unverändert weiter.

Sie können helfen

  • Fragen Sie beim Kauf von Wolle und Wollprodukten, ob diese aus Australien importiert wurden und von gequälten Schafen stammen!
  • Kaufen Sie diese Waren nicht und boykottieren Sie Läden, die solche Artikel in ihrem Sortiment habe!
  • Schreiben Sie Protestbriefe an den Einzelhandel, die australische Regierung und das deutsche Außenministerium!

Nur durch gezielten Einkauf und Protest kann der Verbraucher diese Tierquälerei beenden.