Rinder

Rinder auf der Weide. © NEULAND e.V.
Auf der Weide haben Rinder ausreichend Bewegungsfreiheit. © NEULAND e.V.

In einer tiergerechten Haltung mit ausreichend Platz und Weidegang können Rinder ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben: Gemessenen Schritts streifen sie über die Wiese, folgen ihrer ausgeprägten Neugier oder liegen stundenlang wiederkäuend im Schatten. Rinder leben in einer Herde, in der es eine feste Rangordnung gib.

Dieses Idealbild ist jedoch in Deutschland sehr selten geworden. Heute verbringen Rinder oft ihr ganzes Leben im Stall, ein Drittel der Milchkühe sogar noch in Anbindehaltung. Ihnen bleibt die Möglichkeit verwehrt, sich zu bewegen, bequem zu liegen oder mit Herdenmitgliedern in engeren Kontakt zu treten.

Früher sollten Rinder Milch, Fleisch, aber auch Arbeitsleistung liefern. Die heutigen Rassen werden in der Regel entweder für die Milcherzeugung oder für die Fleischerzeugung gezüchtet. Infolge der Zucht auf Hochleistung und der damit verbundenen unnatürlichen und unverhältnismäßig hohen Milchleistung, hat sich die durchschnittliche Lebensdauer einer Milchkuh drastisch verkürzt. Heute wird eine Milchkuh im Durchschnitt nicht älter als 4 oder 5 Jahre alt und leidet in ihrem kurzen Leben häufig unter Stoffwechselstörungen, Euterentzündungen oder Klauenerkrankungen.

Um die Milchproduktion fortwährend zu gewährleisten, wird eine Milchkuh künstlich besamt und bringt jedes Jahr ein Kalb zur Welt. Dies wird ihr in der Regel direkt nach der Geburt entnommen und entsprechend des erwünschten Verwendungszweck – als Milchrind oder Mastrind aufgezogen.

Mastrinder auf Vollspaltenböden. © S. Gramann
Mastrinder auf Vollspaltenböden. © S. Gramann

Die heute übliche Haltung von Mastrindern erfolgt auf Betonspalten – dies widerspricht dem natürlichen Bedürfnis eines Rindes nach einer trockenen und  weichen Liegefläche. Der harte Untergrund verursacht oftmals Schädigungen des Bewegungsapparates und wird im Zusammenhang mit dem Auftreten von Schwanzspitzennekrosen diskutiert. Darüber hinaus unterstützt die Haltung auf Spaltenboden und der damit unvermeidlich enge Kontakt zur Gülle,  das Auftreten von Atemwegserkrankungen.

Tiergerechte Haltung ist möglich

Eine tiergerechte Haltung ist möglich: Moderne, helleLaufställe mit natürlicher Einstreu bieten zumindest genug Platz, komfortable Liegeflächen und Beschäftigungsmöglichkeiten. Weidegang ist machbar, wenn der Leistungsdruck durch den Preiskampf nachließe und die Milchleistung an das natürliche Futterangebot der Weide angepasst wird. Dafür ist aber auch ein Umdenken der Verbraucher nötig: Wenn Konsumenten qualitativ hochwertige Produkte aus einer artgerechten Tierhaltung und einer nachhaltigen Landwirtschaft honorierten statt überwiegend preiswerte Produkte zu bevorzugen, müssten die Landwirte nicht immer mehr Leistung aus den Tieren herausholen.

Nicht nur aus der Sicht des Tierschutzes, sondern auch im Interesse der Landwirte, wäre es besser, zu einer Rinderzucht zurückzukehren, die es den Landwirten ermöglicht, robuste Tiere tiergerecht mit Weidegang zu halten.