Puten

Dicht drängen sich die Puten in der industrialisierten Haltung. © A. Farkas/afi
Dicht drängen sich die Puten in der industrialisierten Haltung. © A. Farkas/afi

In Deutschland werden derzeit etwa 11 Millionen Puten gehalten, Tendenz steigend. Sie werden zu mehreren Zehntausenden in Ställen auf engstem Raum zusammengepfercht. Erlaubt sind bis zu 52 bzw. 58 Kilogramm pro Quadratmeter Bodenfläche - das sind etwa drei Hähne bzw. fünf Hennen pro Quadratmeter, die sich nicht bewegen können, ohne sich gegenseitig zu berühren.

Eine hohe Besatzdichte erhöht das Krankheitsrisiko. Kommt es zum Ausbruch einer ansteckenden Krankheit, ist schnell eine immense Anzahl von Tieren betroffen, die möglicherweise getötet werden müssen. Außerdem erhöht eine solch hohe Besatzdichte den Stress für die Tiere - ein weiteres Kriterium, das Krankheitsausbrüche begünstigt.

Aufgrund der Zucht auf hohe Mastgewichte und einen übersteigert hohen Anteil an Brustmuskelfleisch (Putenbrust) leiden die Tiere unter Gleichgewichtsstörungen und schmerzhaften Fehlstellungen der Beine. Die Beine können das abnorm vergrößerte Gewicht kaum oder gar nicht mehr tragen. Heutige Zuchtputen sind fast dreimal schwerer als ihre wildlebenden Verwandten. Gegen Ende der Mast liegen die Puten deshalb vorwiegend auf der verschmutzten Einstreu, die Hautentzündungen hervorruft. Zudem weist regelmäßig ein Großteil aller Puten schmerzhafte Fußballenentzündungen auf, die durch die nasse schmutzige Einstreu und auch durch das hohe Körpergewicht bedingt werden.

Massive Verhaltensstörungen

Platzmangel, die angezüchteten Probleme des Bewegungsapparates und die strukturlose und enge Umgebung verhindern, dass Puten ihr arteigenes Verhalten ausleben können. Die Folgen sind massive Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus, die bis zum Tod der Puten führen können.

Die Auswirkungen der Verhaltensstörungen - nicht deren Ursachen - werden bekämpft, indem den Tieren noch als Küken prophylaktisch die Schnäbel kupiert werden. Mittels Infrarot oder „Laser“ (elektrischer Lichtbogen) werden den Tieren Teile des hochempfindlichen Oberschnabels amputiert. Da hier nervenführendes Gewebe verletzt wird, leiden die Tiere nach der Behandlung unter starken akuten und später auch unter chronischen Schmerzen. Häufig können sie sich nicht mehr putzen und haben Schwierigkeiten, Nahrung aufzunehmen.

Wir klagen an

  • In der industriellen Putenhaltung werden wirtschaftliche Erwägungen höher gestellt als der Schutz der Tiere.
  • Statt Haltungssysteme den Bedürfnissen der Puten anzupassen, werden Puten zurechtgestutzt auf eine artwidrige Haltung.
  • Es fehlen gesetzliche Regelungen, die die tierschutzwidrige Zucht und Haltung endlich beenden.

Tiergerechte Putenhaltung ist möglich

Langsam wachsende, robuste Putenrassen (z.B. Bronzeputen) haben keine zuchtbedingten Probleme des Bewegungsapparates. Sie sind vital und widerstandsfähig und bestens für die Freilandhaltung geeignet. Doch solange es weiterhin erlaubt ist schwere Mastputen zu halten, muss auch für diese die Haltung so tiergerecht wie möglich gestaltet werden.

  • Besatzdichten von max. 1-2 Puten/qm und flächengebundene Tierzahlen, die das Wohlbefinden der Puten gewährleisten und die Umwelt schonen.
  • Freier Zugang zum Auslauf im Freiland mit Möglichkeiten zur Beschäftigung, zum Picken, Sandbaden, Aufbaumen etc.
  • Kein prophylaktisches Schnabelkürzen, weil die Puten in artgerechter Haltung wesentlich weniger Verhaltensstörungen wie Federpicken oder Kannibalismus entwickeln.

Kommentar zur Studie „Geflügelwirtschaft weltweit“

Der Zentralverband der Geflügelwirtschaft hat die Studie des Handelsblatt Research Instituts „Geflügelwirtschaft weltweit - Deutschland im internationalen Vergleich - eine Analyse der Erzeugungsstandards“ vorgestellt. Zu der Hauptaussage der Studie „dass Deutschland bei seinen Haltungsstandards weltweit an der Spitze steht“ nimmt der Deutsche Tierschutzbund kritisch Stellung.

Die Studie suggeriert, dass die derzeitigen Tierschutzstandards von Masthühnern und Puten in Deutschland hoch genug sind. Demgegenüber stehen aber die wissenschaftlich belegten Tierschutzdefizite in der konventionellen Tierhaltung und der Wertewandel in der Gesellschaft. Unseren ausführlichen Kommentar finden Sie hier.