Manipulationen an Tieren

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Das Leben der meisten Tiere in der heutigen intensiven Landwirtschaft ist von der Haltung in einer natürlichen Umgebung weit entfernt. Die Agrarindustrie und viele Landwirte interessiert in erster Linie die Gewinnmaximierung: Tiere sollen möglichst viel Milch, Eier und Fleisch produzieren und dies auch noch in der gewünschten Perfektion.

Die Tiere sind für die industrialisierte Haltung und die extremen Produktionsziele nicht geschaffen - die einseitige Züchtung auf Hochleistung, tierwidrige Haltungs-Bedingungen und Langeweile führen zu Krankheiten und Verhaltensstörungen.

Was nicht passt, wird passend gemacht

Anstatt die Haltungsbedingungen zu verbessern und den natürlichen Bedürfnissen der Tiere nach Platz, Bewegung und Beschäftigung nachzukommen, werden die Tiere schmerzhaft zurechtgestutzt. Unten finden Sie einige Beispiele für Verstümmelungen, mit denen Tiere den Haltungssystemen und Produktionszielen gewaltsam angepasst werden sollen.

Forderung: Neues Tierschutzgesetz

Tiere dürfen nicht manipuliert werden, um Defizite in der Haltung auszugleichen oder bestimmte Produktionsziele zu erreichen. Die Ausnahmen im Tierschutzgesetz, die diese Manipulationen zulassen, müssen gestrichen werden. Wir brauchen tiergerechte Haltungssysteme, die sich an dem natürlichen Verhalten und den Bedürfnissen der Tiere orientieren. Wir fordern ein neues Tierschutzgesetz!

Enthornung

Zwei Rinder auf der Weide mit Hörnern.

Rinder werden meist generell enthornt, egal ob Masttiere oder Milchkühe, um Verletzungen von Mensch und Tier vorzubeugen. Deswegen brennt der Landwirt dem Kalb mit einem Brennstab die Hornanlage aus. Für das Kalb ist das sehr schmerzhaft, denn das Horn und die darunter liegenden Hautschichten sind gut durchblutet und mit Nerven durchzogen.

Rinder fügen sich meist dann gegenseitig Verletzungen durch Hornstöße zu, wenn sie in zu dicht besetzten Laufställen gehalten werden und sich nicht gegenseitig ausweichen können. Eine sich ständig ändernde Zusammensetzung der Herde führt dazu, dass die Rangfolge innerhalb der Gruppe immer wieder neu festgelegt werden muss. Das Verletzungsrisiko für die Menschen ist gering, wenn sich Menschen und Rinder kennen und die Rinder Vertrauen zu den Menschen haben, die sie betreuen.

Die Hörner dienen den Tieren als wichtiges Kommunikationsmittel, deshalb sollte die schmerzhafte Verstümmelung der Tiere unterbleiben und stattdessen die Haltung verbessert werden. 

Schnabelkürzen

Huhn mit gekürztem Schnabel
Huhn mit gekürztem Schnabel

Legehennen, Puten und Moschusenten wird der Schnabel gekürzt, um Federpicken und Kannibalismus zu verhindern. Legehennen wird ein Teil des Schnabels beispielsweise mit einem schneidbrennenden Instrument abgeschnitten. Puten kürzt man in der Regel den Schnabel am ersten Lebenstag mit dem sogenannten Biobeaker, einem Gerät, das einen Lichtbogen wie bei einem Schweißgerät erzeugt. Der Lichtbogen schießt quer durch den Oberschnabel des Eintagskükens. Die Puten bluten nach außen und in die Schnabelhöhle und nach etwa einer Woche fällt der vordere Teil des Oberschnabels ab. Moschusenten kürzt man den Schnabel mit einer zweiseitigen Schere oder Amboßschere.

Alle Methoden zerstören Knochen und Gewebe des Schnabels und verursachen starke akute, teils chronische Schmerzen. Der Schnabel als empfindliches Tastorgan kann seine Funktion nur noch eingeschränkt erfüllen. Die Tiere können zum Teil nicht mehr artgemäß fressen und Gefieder pflegen. 

Doch die Ursache von Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus sind in erster Linie tierwidrige Haltungssysteme mit zu hohen Besatzdichten. Die Tiere sind gestresst, leben in drangvoller Enge ohne Beschäftigungsmöglichkeiten und richten infolgedessen ihr natürliches Pickverhalten gegen Artgenossen.

Das Schnabelkürzen soll eigentlich nur als letztes Mittel und zeitlich begrenzt eingesetzt werden, tatsächlich ist es - wenn der Landwirt die rechtlichen Mindeststandards an die Haltung einhält - routinemäßig erlaubt. Statt dieser Teil-Amputation des Schnabels sollte die Haltung mehr Freiraum und Beschäftigung bieten, damit die Vögel ihr natürliches Verhalten ausleben können.

Schwanz-Kupieren

Schweine mit Ringelschwänzen.

Fast allen Ferkeln, die nicht in ökologischen Betrieben gehalten werden, kupiert man routinemäßig die Schwänze. Diese Amputation soll verhindern, dass die Schweine sich gegenseitig die Schwänze anfressen. Solch eine Verhaltensstörung entsteht jedoch erst durch die Bedingungen in der industriellen Schweinemast. Die intelligenten Tiere leben dort in einem monotonen Stall auf Voll- oder Teilspaltenböden, haben keinerlei Beschäftigung und beginnen deshalb aus Langeweile die Schwänze der anderen Tiere abzubeißen.

Wir lehnen das Kupieren der Schwänze ab - ein Haltungssystem muss sich am Verhalten des Tieres orientieren, nicht umgekehrt. Ein Verbot des Schwanzkupierens muss einhergehen mit der Abschaffung der Vollspaltenböden und einer Einstreu der Liegefläche, damit die Schweine artgerechtes Beschäftigungsmaterial erhalten.

Das Schwänzekupieren ist durch eine EU-Richtlinie seit 1994 verboten, doch bisher ist dieser Eingriff durch nationale Ausnahmegenehmigungen unter anderem in Deutschland trotzdem möglich.