Hochleistungszucht

bei Tieren in der Landwirtschaft

Masthähnchen mit deformierten Beinen. © A.Farkas/afi
Masthähnchen mit deformierten Beinen. © A.Farkas/afi

Gewinnmaximierung ist auch in der Tierzucht oberstes Ziel. Ergebnis sind rekordverdächtige und unphysiologisch hohe Leistungen, die allzu oft erhebliche Leiden für die Tiere mit sich bringen.

Masthähnchen erreichen ihr Schlachtgewicht heute in nur sechs Wochen. Das ist doppelt so schnell wie vor drei Jahrzehnten. Durch die einseitige Überzüchtung der Tiere kann das Knochenwachstum nicht mehr mit dem schnellen Muskelzuwachs Schritt halten. Bis zu 50 Prozent aller Tiere leiden unter Knochen- und Gelenkproblemen, bis hin zu schweren Deformationen. Die heute zur Mast eingesetzte Pute wiegt das Dreifache der Wildform und weist dementsprechend sehr ähnliche Probleme wie die Masthühner auf. Legehennen können etwa 300 Eier pro Jahr legen - mehr als das Fünffache ihrer Vorfahren. Als Folge leiden sie oftmals an schmerzhaften Eileiterentzündungen und verstärkter Brüchigkeit der Knochen.

Bei Mastschweinen führen die hohen Zunahmen in viel zu kurzer Zeit zu einer Überlastung des Bewegungsapparates und des Herz-Kreislauf-Systems, was für die Schweine mit Schmerzen und Stress verbunden ist.

Milchkühe produzieren heute zehnmal mehr Milch als zum Säugen des Kalbes erforderlich wäre. Parallel mit dem Anstieg der Milchproduktion haben schmerzhafte Eutererkrankungen oder Stoffwechselstörungen bei den Tieren zugenommen und das Lebensalter hat sich enorm verkürzt.

Extreme Spezialisierung

Getötete männliche Küken aus der Legehennenzucht. © A. Farkas/afi
Getötete männliche Küken aus der Legehennenzucht. © A. Farkas/afi

Die Verwandlung des Tieres vom Mitgeschöpf zum Produktionsgut zeigt sich auch in der extremen Form der Spezialisierung der Zuchtlinien. Da sich die Mast der männlichen Küken aus der Legehennenzucht nicht rechnet, werden diese gar nicht erst aufgezogen, sondern sofort nach dem Schlüpfen mit Gas oder in einem so genannten Homogenisator, einer Art Häcksler, getötet. Ihre Aufzucht rentiert sich nicht, weil sie nicht so schnell wachsen und zunehmen wie ihre Artgenossen aus den Zuchtlinien für Masthühner.

Auch die männlichen Kälber der milchbetonten Rinderrassen fallen dieser Logik, wenn auch erst etwas später, zum Opfer. Da sie kaum Muskelansatz zeigen, werden sie nur kurze Zeit unter oftmals tierschutzwidrigen Bedingungen gehalten, mit Milch und Milchaustauschern nicht wiederkäuergerecht gemästet und anschließend geschlachtet.

In der Schweinezucht hat die jahrzehntelange Zucht auf möglichst hohe Reproduktionsleistung unnatürlich große Würfe zur Folge, sodass die Anzahl der Zitzen einer Sau nicht mehr für alle Ferkel ausreicht. Zudem haben die Ferkel häufig ein zu geringes Geburtsgewicht, sodass sie infolge mangelnder Vitalität schlechtere Überlebenschancen haben.

Neue Zuchttechnologien

Der technische Fortschritt hat auch vor der Tierzucht nicht halt gemacht. Die wenigen global agierenden Zuchtunternehmen, vor allem im Geflügelbereich, setzen ausgeklügelte Zuchtstrategien ein, um den Tieren die maximale Leistung abverlangen zu können. So wird bei den Zuchtkandidaten mittlerweile das Erbgut teilweise entschlüsselt, um bereits im Vorfeld Aussagen über die Vererbung bestimmter Leistungsmerkmale zu erhalten. Diese sehr teuren Methoden können sich nur große Unternehmen leisten. So bleiben kleinere Züchter im Wettbewerb um den größten Ertrag auf der Strecke und Landwirte sind auf immer neue Tierlieferungen der Konzerne angewiesen. Dies ist auch der Tatsache geschuldet, dass heutige Mastschweine und Geflügel Kreuzungsprodukte aus mehreren Inzuchtlinien sind, sogenannte Hybriden. Diese lassen sich durch den Mäster nicht beliebig weitervermehren und machen ihn so abhängig von den Zuchtunternehmen.

Bei den Milchkühen zeichnet sich zudem eine drohende genetische Verarmung und Inzuchtgefahr ab, denn seit der Einführung der künstlichen Besamung ist es möglich, auch Bullensperma von weit entfernt oder sogar aus dem Ausland zu beziehen und damit für Nachkommen zu sorgen. Dabei werden natürlich nur „Spitzenvererber“ berücksichtigt, deren Zahl aber begrenzt ist. So haben einzelne Bullen bereits mehrere Millionen Kälber gezeugt, ohne die Mutterkühe jemals zu Gesicht bekommen zu haben. Die Beschränkung auf wenige Bullen führt zu einer Verarmung des Genpools. Zudem können die sogenannten Spitzenvererber aber auch nachteilige Merkmale vererben und bei unpassender Anpaarung zur Geburt missgebildeter Kälber führen. Zu allem Überfluss stammen Zuchtbullen aus den USA auch zum Teil von geklonten Tieren ab, deshalb kann in Deutschland zwar kein Fleisch von Klontieren selbst, aber durchaus das ihrer Nachkommen auf den Tellern landen, ohne dass dies Verbrauchern bewusst ist.