Reptilienbörsen

Eine Königspython liegt in einer weiß ausgeleuchteten Ausstellungsbox.
Diese klinisch weiße Box dient nur der interessanten Präsentation, die gestreifte Königspython hat aber keinerlei Rückzugsmöglichkeit.

In Deutschland finden jedes Jahr tausende Tierbörsen statt - Tendenz steigend. Reptilienbörsen stellen dabei eine besondere Sparte dar. Sie sind jedoch grundsätzlich kritisch zu beurteilen, weil die Haltung von Exoten in Privathaushalten kaum artgerecht möglich ist.

Auf den Reptilienbörsen können Besucher Exoten kaufen, ohne dass sie Fachwissen nachweisen müssen. Die Gefahr von Spontankäufen ist hoch, weil die Preise zum Teil sehr niedrig sind und das oft faszinierende Aussehen der Tiere die Käufer über Haltungs- und Fütterungsansprüche hinwegsehen lässt.

Auf der Terraristika in Hamm, nach Auskunft der Veranstalter die weltweit größte Reptilienmesse, haben wir bei unseren Besuchen vielfältige Missstände dokumentiert:

Bartagame krabbelt halb aus einer Plastikbox auf einer Reptilienbörse.
Diese Bartagame darf entgegen der Regeln aus ihrem Behältnis klettern und kann von jedem angefasst werden.
  • die Tiere werden oft in viel zu kleinen, unstrukturierten Plastikbehältern zum Verkauf angeboten
  • die Behältnisse stehen - häufig ungeschützt - auf Tischen in Reihen, durch die sich die Besuchermengen drängeln, so dass die Tiere ständigen Erschütterungen ausgesetzt sind
  • die Händler kommen aus ganz Europa, was für die Tiere weite Anreisestrecken und damit verbundenen Stress bedeutet
  • es werden Arten angeboten, über die kaum Fachwissen zur artgerechten Haltung existiert
  • immer noch werden Wildfänge angeboten
  • die Leitlinien des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz für die Ausrichtung von Tierbörsen unter Tierschutzgesichtspunkten aus dem Jahr 2006 finden ebenso wie die hauseigene Börsenordnung kaum Beachtung

Tierfreunden raten wir dringend, keine Tierbörsen zu besuchen, um den Exoten-Handel nicht zu unterstützen. Der Deutsche Tierschutzbund fordert eine bundesweit gültige Verordnung für derartige Tiermärkte, damit Veterinärbehörden bei Regelverstößen eingreifen können und wenigstens ein gewisser Schutz der Tiere erreicht werden kann.

Filmaufnahmen belegen Missstände auf Tierbörsen