Exoten

Nackenstachler in Plastikbox auf einer Tierbörse.
Der Verkauf von Wildfängen wie diesem Nackenstachler fördert den Artenschwund.

Über das Internet, Tierbörsen oder auch den Zoofachhandel sind zahlreiche exotische Tiere zu erwerben - vom Weißbüscheläffchen bis zum Chinchilla, vom Rosenkopfpapagei bis zum Ara von der Bartagame bis zur Anakonda und viele mehr. Als Exoten werden im Allgemeinen Wildtiere und deren Nachzuchten bezeichnet, die weder in Deutschland heimisch sind noch als domestiziert angesehen werden können - und somit an das Zusammenleben mit Menschen nicht gewöhnt sind.

Verantwortungsbewusste Tierfreunde lassen sich durch solche Angebote nicht locken. Denn:

  • Wildtiere, die der Natur entnommen wurden, sind für die Haltung in Gefangenschaft völlig ungeeignet. Fang, Transport und Aufenthalte bei Groß- und Zwischenhändlern bedeuten großen Stress für die Tiere. Meist leiden sie unter Parasitenbefall, Krankheiten, Abmagerung und Austrocknung. Zudem wird der Artenschwund gefördert.
  • Papageien sind hochsoziale Vögel mit einer hohen Lebenserwartung. Sie eignen sich nicht für den Privathaushalt, weil dort in der Regel ihrem Schwarmverhalten, ihrem Flugbedürfnis und ihren Anforderungen an Luftfeuchtigkeit und Temperatur nicht entsprochen werden kann.
  • Auch Degus, Chinchillas und Mongolische Rennmäuse können aufgrund ihrer kurzen Historie als Heimtier durchaus zu den Exoten gerechnet werden. In landläufigen Käfigsystemen sind sie nicht artgerecht zu halten.
  • Die Haltung von Reptilien, wie zum Beispiel Echsen, setzt detaillierte Spezialkenntnisse voraus. Viele von ihnen erreichen ungeahnte Endgrößen. So wird eine niedlich kleine junge Wasserschildkröte oft suppentellergroß, ein Grüner Leguan bis zu zwei Meter lang. Außerdem werden viele Reptilien mehrere Jahrzehnte alt - Schildkröten z. T. sogar bis zu 80 Jahre.
  • Die Haltung von Schlangen ist schon allein wegen ihrer Futteransprüche aus Tierschutzsicht abzulehnen. Schlangen sind Fleischfresser und brauchen komplette Futtertiere (Mäuse, Ratten, Kleinnager) als Nahrung. Sowohl die Lebendfütterung, als auch die Fütterung mit frisch toten Futtertieren oder Frostfutter birgt erhebliche Tierschutzprobleme.

Tierheim-Umfrage

Eine Umfrage unter den uns angeschlossenen Tierschutzvereinen zeigt, dass dreiviertel der Vereine in den letzten fünf Jahren Reptilien aufnehmen mussten. Dabei geraten die Vereine an ihre Grenzen, was die geeignete Unterbringung und Versorgung betrifft. Hochgerechnet mussten die Vereine in den letzten fünf Jahren rund 30.000 Reptilien aufnehmen. Die Hälfte dieser Tiere waren verschiedene Wasserschildkrötenarten, gefolgt von Landschildkröten, Bartagamen und Nattern. Es landeten aber auch gefährliche Arten wie Schnappschildkröten, Riesenschlangen, Warane oder ein Brillenkaiman in den Händen des Tierschutzes.

Fast die Hälfte aller betroffenen Tierschutzvereine berichtete, dass sie die Reptilien nicht angemessen unterbringen konnten. Probleme bei der Unterbringung hatten die Vereine vor allem bei Wasserschildkröten, aber auch Bartagamen, Landschildkröten und bestimmten Schlangenarten und Leguanen.

Weniger als die Hälfte der Reptilien konnten die Vereine wieder erfolgreich an Privathaushalte vermitteln. Besonders schwierig ist die Vermittlung bei den Arten, bei denen eine Marktsättigung besteht - wie bei den häufigsten Wasserschildkrötenarten, Bartagamen und Kornnattern. Auch bei Tierarten, die sehr groß werden, ist eine Vermittlung schwierig - beispielsweise bei Grünen Leguanen.

Leichter zu vermitteln sind sehr seltene Tierarten und klein bleibende Arten. Die Hälfte der befragten Vereine hat angegeben, dass die Aufnahme von Reptilien in den letzten zehn Jahren angestiegen ist. Dies deckt sich mit den von uns alle vier Jahre erhobenen Marktforschungsdaten, die schon von 2005 bis 2009 eine Verdopplung der Anzahl so genannter Exoten in den Tierheimen belegte.

Die genauen Zahlen und Ergebnisse aus der Umfrage finden Sie hier

Position zur Haltung so genannter Exoten in Privathand

Schnappschildkröte
Schnappschildkröte

Es geht bei unserer Position weder darum, jedwede Tierhaltung in Privathand zu untersagen, noch das Engagement vieler tierbegeisterter Menschen in Frage zu stellen.

Wir erkennen die Arbeit der vielen Verbände und Vereinigungen im Hinblick auf Erkenntnisgewinnung und Lehre zu verschiedenen Tierhaltungen an. Allerdings ist damit nicht zu rechtfertigen, dass die übergroße Mehrheit der Privatbesitzer von Tieren exotischer Natur mit ihren Pfleglingen nicht zurechtkommt, und die Tiere dementsprechend Leiden und Schäden erfahren.

Darüber hinaus ist zu bedenken, dass die Haltung von exotischen Tieren in den letzten Jahren dermaßen an Popularität gewonnen hat, dass der Markt sich immer mehr in Richtung „Massenware Tier" entwickelt, was zwangsläufig zu einer Verschlimmerung der Situation beiträgt. Die zu Hunderten oder gar Tausenden jährlich in Deutschland abgehaltenen Tierbörsen sind diesbezüglich ein trauriges Beispiel.

Weitere Informationen im Positionspapier „Exoten im Privathaushalt".