Zirkus

Elefanten bei einem Auftritt in der Manege

Wildtiere stellen besonders hohe Ansprüche an ihre Haltung und Unterbringung. In einem Zirkusunternehmen ist eine verantwortbare Haltung von Wildtieren grundsätzlich nicht möglich.

Dennoch sind in vielen der über 300 in Deutschland umherreisenden Zirkusbetriebe weiterhin Tiere wildlebender Arten zu sehen: Tiger, Löwen, Elefanten, Nashörner, Giraffen, Seelöwen oder Affen – die Palette an mitgeführten Tierarten ist groß. Deshalb fordern wir schon seit Jahren ein Wildtierverbot im Zirkus – bisher leider ohne Erfolg.

Wildtiere leiden im Zirkus

Sie leiden massiv darunter,

  • dass sie Kunststücke vorführen müssen, für die sie oft mit Gewalt dressiert werden,
  • dass sie im Schnitt 50-mal im Jahr den Auftritts-Ort wechseln müssen,
  • dass sie die überwiegende Zeit in kleinen Käfigen, unzureichenden Gehegen oder im Transportwagen verbringen,
  • dass wesentliche artspezifische Verhaltensweisen wie Sozialkontakte oder Bewegung erheblich eingeschränkt oder völlig unmöglich gemacht werden,
  • dass sie kaum Abwechslung oder Beschäftigung haben,
  • dass sie oft nicht artgerecht gefüttert und gepflegt werden,
  • dass eine tierärztliche Kontrolle oder Versorgung oft mangelhaft ist, da es bundesweit nur wenig spezialisierte Tierärzte für Wildtiere gibt oder sich der Zirkus die Behandlung finanziell nicht leisten kann bzw. will,
  • dass den Zirkusbetreibern in vielen Fällen die notwendige Sachkunde fehlt,
  • dass in der spielfreien Zeit kein festes Winterquartier vorhanden ist. Nur etwa jedes zehnte Unternehmen kann ein Winterquartier sein Eigen nennen.

Die Folgen für die Tiere sind fatal: Massive Gesundheitsschäden, schwere Verhaltensstörungen und erhöhte Sterblichkeit. Allein in den letzten zehn Jahren sind über 20 Elefanten im Zirkus vorzeitig verstorben.

Zebra

Aktuelle Situation

Auch die Änderung des Tierschutzgesetzes (TierSchG) im Juli 2013 hat keine Verbesserung für die Tiere gebracht. Zwar wurde eine Ermächtigung zur Einschränkung der Wildtierhaltung im Zirkus neu eingefügt, doch eingegriffen werden soll künftig erst, wenn Haltung und Transport "nur unter erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden" möglich sind. Gegenüber den bis dato auch für Wildtiere im Wanderzirkus geltenden Schutzbestimmungen - wie sie etwa in § 2 TierSchG zum Ausdruck kommen - ist dies ein deutlicher Rückschritt und mithin ein Verstoß gegen das Verschlechterungsverbot des Staatziels Tierschutz.

Der Bundesrat sah dies genauso und legte seinerseits in einer Stellungnahme eine veränderte Formulierung vor. Dies lehnte die Bundesregierung jedoch ab, der Absatz wurde unverändert im überarbeiteten Tierschutzgesetz verankert. Seitens des zuständigen Bundesministeriums heißt es nach wie vor lapidar "man prüfe weiter ein mögliches Verbot bestimmter Wildtiere" ohne Taten folgen zu lassen. Ein Wildtierverbot rückt damit in weite Ferne.

Bereits 2003 und 2011 hatte der Bundesrat eine Forderung nach einem entsprechenden Verbot formuliert. Am 18. März 2016 hat der Bundesrat erneut einem Antrag, diesmal von Hessen, für ein Wildtierverbot im Zirkus zugestimmt. Nun muss die Bundesregierung eine Stellungnahme erarbeiten und zu dem vom Bundesrat geforderten Verbot Stellung beziehen. Diese steht allerdings noch aus.

 

Veterinärämter sind hilflos

Zwei Giraffen und Nashorn

Die Erfahrung zeigt, dass selbst die kontrollierenden Veterinärbehörden an dem Leid der Tiere wenig ändern können. Dies liegt daran, dass die Beschlagnahmung eines Wildtieres aus schlechter Zirkushaltung rechtlich kaum möglich und eine Vermittlung  in Auffangstationen, in denen die Tiere untergebracht werden könnten, zeit- und kostenaufwendig ist. Außerdem wechseln Zirkusse häufig - auch unangemeldet - ihren Standort, was mit einem Wechsel in den behördlichen Zuständigkeiten verbunden ist. Ein effektiver Vollzug ist so erheblich erschwert. Darüber hinaus sind die Haltungsvorgaben für Tiere im Zirkus erschreckend gering, so dass auch die Veterinärbehörden keine strengeren Anforderungen vorschreiben können.

Denn außer den allgemeinen Regelungen des Tierschutzgesetzes gibt es in Deutschland keine rechtlich verbindlichen Vorgaben für die Tierhaltung in Zirkusbetrieben. Die "Zirkusleitlinien", die im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums veröffentlicht wurden, konkretisieren zwar die Haltungsanforderungen für bestimmte Tierarten, sind aber nicht rechtsverbindlich. Vor allem können sie jedoch die Grundbedürfnisse der Tiere sicherstellen, zumal diese Minimalvorgaben in der Praxis oft nicht hinreichend umgesetzt werden.