Walfang

Wie einige Länder rechtliche Schlupflöcher ausnutzen

Wal im Meer

Die Jagd auf Wale wird mit Explosiv-Harpunen durchgeführt. Ein Sprengkörper wird in den Körper der Wale geschossen, der im Körper der Tiere explodiert und das Tier innerlich zerreißt. Weniger als die Hälfte der Wale kommt jedoch unmittelbar beim ersten Schuss ums Leben, da ein genaues Zielen von den Schiffen auf hoher See nicht möglich ist. Der Todeskampf der Meerestiere kann sich so über eine Stunde hinziehen. Wale sind Säugetiere und verfügen über ein hoch entwickeltes Nervensystem ähnlich dem des Menschen.

Einem Beschluss der Internationalen Walfang-Kommission (IWC) zufolge gilt seit 1986 für den kommerziellen Fang von Großwalen ein Fangverbot. Einige Länder nutzen jedoch bis heute die bestehenden rechtlichen Lücken des Moratoriums, um weiter Jagd auf Wale machen zu können.

Japan tötet wieder Wale in der Antarktis

Obwohl Japan als IWC-Mitgliedsland an das Moratorium gebunden ist, nahm es nach dessen Einführung den Walfang zu „Forschungszwecken" wieder auf und nutzte damit ein Schlupfloch in den Verträgen der Walfangkommission. Insgesamt hat Japan bereits mehr als 10.000 Großwale getötet, darunter Finn-, Sei-, Mink-, Bryde- und Pottwale. Der eigentliche Zweck dürfte jedoch der Verkauf des Walfleisches als teure Delikatesse sein.

Dagegen hat Australien mit Erfolg geklagt: 2014 hat der Internationale Gerichtshof in Den Haag entschieden, der japanische Walfang diene nicht wissenschaftlichen Zwecken und verstoße so gegen das Moratorium. Laut dem Urteil des höchsten UN-Gerichts musste Japan den Walfang zumindest in der Antarktis aussetzen. Im März 2016 hat Japan den Forschungswalfang nach dem erzwungenem Stopp wieder aufgenommen und 333 Minkwale getötet. Damit verfolgt Japan das Ziel, die kommerzielle Jagd auf Großwale wieder zuzulassen.

Auch im Nordpazifik macht Japan Jagd auf Großwale.

Island beendet Jagd auf Finnwale

Ab Sommer 2016 wird in Island vorerst zumindest die Jagd auf Finnwale eingestellt. Grund sind laut Kristján Loftsson, Islands einzigem Finnwalfänger, Probleme beim Export des Walfleisches nach Japan. Walschützer hatte ihn durch Proteste in den vergangenen Jahren dazu gezwungen, teure Ausweichrouten zu wählen. Außerdem würden die überholten Testmethoden des Fleisches durch japanische Behörden den Verkauf erschweren. 2015 hatte seine Walfangfirma Hvalur hf die Fangquote mit 155 getöteten Walen zum Mal seit Wiederaufnahme des kommerziellen Finnwalfangs 2006 voll ausgeschöpft. 2014 exportierte die Walfangfirma Hvalur hf die Rekordsumme von 2000 Tonnen Finnwalfleisch nach Japan, 2015 waren es erneut 1800 Tonnen.

Ursprünglich hatte Island mit Inkrafttreten des Moratoriums 1986 den kommerziellen Walfang offiziell beendet und legte auch keinen Einspruch gegen das Moratorium ein - anders als Norwegen und Japan. Seit 2002 ist Island erneut offizielles Mitglied der IWC und betrieb ab 2003 "wissenschaftlich" begründeten Walfang. Den kommerziellen Walfang nahm Island im Jahr 2006 wieder auf. Es bleibt zu hoffen, dass der jetzt angekündigte Fangstopp auch über den Sommer 2016 hinaus Bestand hat und letztlich auch auf Zwergwale ausgeweitet wird – diese werden nämlich weiterhin bejagt.

Norwegen nutzt eine Einspruchsklausel

Norwegen hat gegen dieses Moratorium seinerzeit fristgerecht Einspruch eingelegt und kann deswegen - zumindest rein juristisch gesehen - nicht dazu gezwungen werden, sich an das Verbot zu halten. Seit Mitte der 1990er Jahre macht Norwegen auf der Grundlage selbst gesetzter Quoten Jagd auf Zwergwale. Waren es 1993 noch etwa 300 Tiere, so liegt die Quote aktuell bei 1.286 Zwergwalen jährlich.

Die hohe Quote steht in krassem Widerspruch zu den tatsächlichen Fangzahlen. 2011 wurden 533, 2012 459 und 2013 590 Zwergwale angelandet – die Quote ist damit mehr als doppelt so hoch. Obwohl es seit Jahren weniger Abnehmer von Walprodukten gibt und auch die Zahl der Walfangschiffe gesunken ist, hält die Regierung geradezu trotzig an den überhöhten Zahlen fest, wohl aus politischen Gründen.

Norwegen begründet seine Jagd auf Zwergwale damit, die Verluste für die heimische Fischerei durch den Appetit der Wale zu verringern. Die eigentlichen, wissenschaftlich belegten Ursachen der weltweit zurückgehenden Fischbestände wie die globale Überfischung und Meeresverschmutzung lässt das Land unerwähnt.

Protest gegen Walfang

Der Rücken eines Wales und die Fluke eines zweiten Wals ragen aus dem Meer.

Schreiben Sie an die Botschafter: 

E-Mail-Vorlage (deutsch)

Exzellenz,

die Tötung von Walen ist im höchsten Maße grausam, tierschutzwidrig und ohne zwingenden Grund. Bitte setzten Sie sich persönlich dafür ein, dass Ihre Regierung das seit 1986 bestehende Walfangmoratorium vollständig und ausnahmslos umsetzt.

E-Mail-Vorlage (englisch)

Excellency, 

Killing whales is to an extremely high degree cruel, absolutely contradictory to animal protection and definitely not mandatory! I would very much appreciate you personally pleading for your country to completely implement the whaling moratorium (in effect since 1986) without any exceptions.

Sincerely,

Adressen

Japan

Botschaft von Japan
Seine Exzellenz Herrn Takeshi YAGI
Hiroshimastr. 6
10785 Berlin
E-Mail: info(at)bo.mofa.go.jp

Norwegen

Königlich Norwegische Botschaft
Seine Exzellenz Herrn Sven Erik Svedman
Rauchstr. 1
10787 Berlin
E-Mail: emb.berlin(at)mfa.no

Island

Botschaft der Republik Island
Seine Exzellenz Herrn Gunnar Snorri Gunnarsson
Rauchstr. 1
10787 Berlin
E-Mail: infoberlin(at)mfa.is