Handel mit Robbenprodukten

Ronne. © IFAW
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Seit 2010 dürfen keine Robbenprodukte mehr in Europa auf den Markt gebracht werden, es sei denn, sie stammen von den arktischen Ureinwohnern Inuit, die keine kommerzielle Robbenjagd betreiben. Das Verbot gilt für sämtliche Robbenpodukte, darunter auch Öle, Häute und Tran, der in Kosmetik oder Medizin verwendet wird. Das Verbot schwächt den weltweiten Handel mit Robbenprodukten und setzt der grausamen kommerziellen Jagd damit hoffentlich ein baldiges Ende.

Vom Entwurf zum Gesetz

2010 konnte ein Verbot für den Handel mit Robbenerzeugnissen endlich in Kraft treten. Nach zweijährigem Vorlauf hatte die EU-Kommission 2008 einen entsprechenden Entwurf für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates vorgelegt. Dieser Entwurf erfüllte jedoch nicht die Forderungen des Deutschen Tierschutzbundes nach einem vollständigen Handelsverbot, denn er ließ neben den akzeptablen Jagdrechten der Inuit weitere Ausnahmen zu: Wenn in einem Land Rechtsvorschriften oder andere Anforderungen sicher gewährleisteten, dass die Robben unter Vermeidung unnötiger Schmerzen und Qualen getötet werden, dürften aus diesem Land Robbenprodukte importiert werden.

Diese Ausnahmeregelung hätte den Zweck des Gesetzes ausgehöhlt. Es gibt aus Tierschutzsicht keine Anforderungen, die eine schmerz- und qualfreie Jagd gewährleisten. Der EU-Binnenmarktausschuss sah dies ähnlich und sprach sich Anfang März 2009 für ein komplettes Verbot, lediglich mit Ausnahmeregelungen für von Inuit getötete Robben aus.

Eine Mehrheit im EU-Parlament unterstützte dieses Importverbot und die Vertreter der EU-Staaten stimmten dem neuen Gesetz zu. Kurz vor Inkrafttreten der Verordnung setzte der Europäische Gerichtshof wegen neuer rechtlicher Einwände die Regelung zunächst aus. Insgesamt 16 Organisationen und Personen hatten gegen das Handelsverbot für Robbenprodukte geklagt. Der Gerichtshof hob diesen Stopp im Oktober 2010 wieder auf.

Handelsverbot mit WTO-Gesetzen kompatibel

Ein neuer Versuch Kanadas und Norwegens das Handelsverbot über eine Anhörung vor der Welthandelsorganisation (WTO) zu kippen, ist im November 2013 gescheitert: Die WTO entschied, dass der größte Teil des EU-Handelsverbotes mit WTO-Gesetzen kompatibel sei und die EU den Handel mit Robbenprodukten aufgrund öffentlicher moralischer Tierschutzbedenken verbieten darf. Die Robbenjagd führe aufgrund ihrer Bedingungen unweigerlich zu Tierschutzproblemen, fügte der Ausschuss hinzu. Auch den erneuten Einspruch Kanadas und Norwegens hat die WTO im Mai 2014 zurückgewiesen und das Handelsverbot als rechtmäßig gebilligt.

Bericht der EFSA (European Food Safety Authority) über Tierschutzaspekte beim Töten und Häuten von Robben

2006 hatten sowohl der Europarat, als auch das Europäische Parlament und der Deutsche Bundestag ein Verbot des Handels mit Robbenprodukten gefordert. Die EU-Kommission hatte daraufhin die EFSA (European Food Safety Authority) beauftragt, einen wissenschaftlichen Bericht über die Tierschutzaspekte beim Töten und Häuten von Robben zu verfassen. Dieser Bericht wurde 2007 verabschiedet und veröffentlicht.

Der EFSA-Bericht stellt fest:

Die Robbenjagd findet vor allem in der Arktis und im Süden Afrikas statt.

  • etwa 750.000 Robben werden jedes Jahr für kommerzielle Zwecke getötet und gehäutet
  • 60 Prozent der Jagd wurden im Jahr 2006 von Kanada, Grönland und Namibia durchgeführt
  • in Kanada werden hauptsächlich Robben getötet, die einen bis dreieinhalb Monate alt sind
  • in der Praxis scheinen viele Robben mit vermeidbaren Schmerzen, Stress und Angst getötet zu werden
  • verletzte Robben können fliehen und verloren gehen; sie leiden und können oft nicht in der Wildnis überleben
  • vor dem Entbluten und Häuten wird nicht immer die Bewusstlosigkeit bzw. der Tod des Tieres überprüft - es kommt vor, dass Robben den Häutungsschnitt spüren und bei vollem Bewusstsein verbluten
  • bestimmte Tötungsmethoden müssen als inhuman bezeichnet werden und sollten nicht angewendet werden, z. B. die Tötung durch Ersticken beim Robbenfang unter Wasser
  • Robben sollten vor Handlungen geschützt werden, die ihnen vermeidbare Schmerzen, Stress, Angst und weitere Leiden verursachen
  • Tod oder irreversible Bewusstlosigkeit sollte direkt nach einem Tötungsversuch und vor dem Ausbluten und Häuten überprüft werden; Kriterien für diese Prüfung müssen aber erst noch gefunden werden

Tierschutz ist nicht zu gewährleisten

Der Bericht der EFSA zeigt: Der Schutz des Einzeltieres kann bei der Jagd nicht gewährleistet werden. Die Robbenjagd muss aus Gründen des Tierschutzes umgehend beendet werden. Das EU-Handelsverbot ist ein erster Schritt.