Genmanipulierte Tiere in der Forschung

Hunderttausende Mäuse sterben jährlich in Gentechnik-Experimenten

Motiv gegen Genmanipulation: Mischtier aus Bär, Ente, Maus, Hase
Motiv gegen Genmanipulation

Immer mehr Forscher versuchen, mithilfe sogenannter „Tiermodelle“ menschliche Krankheitsbilder zu imitieren und zu untersuchen. Mit Abstand am häufigsten werden dafür Mäuse genutzt, aber auch Fische, Ratten und Schweine. Durch Manipulationen an ihrem Erbgut werden die Tiere künstlich krank gemacht. Unter den sterilen und genormten Laborbedingungen bleiben jedoch die vielen unterschiedlichen Faktoren, die eine Erkrankung beim Menschen auslösen und beeinflussen können, völlig außen vor.

Auch aus Forschungskreisen werden kritische Stimmen an dieser Vorgehensweise laut: Studien zeigen, dass die Ergebnisse von Experimenten an „Mausmodellen“ häufig nicht erfolgreich auf den Menschen übertragbar sind. Trotzdem werden Millionen Euro investiert, vor allem in Experimente der Grundlagenforschung, denen der konkrete Bezug zu dringend benötigten Therapien für Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson oder Krebs fehlt.

Während Tierversuche in vielen anderen Bereichen stagnieren oder sogar allmählich zurückgehen, boomt die Gentechnik: Jedes Jahr steigt die Zahl der gentechnisch veränderten Tiere in Tierversuchen weiter an - und ist damit auch für den allgemeinen Anstieg der Versuchstierzahlen verantwortlich. Dieser Trend ist aus Tierschutzsicht erschreckend, denn dem großen Leid der Tiere steht häufig eine zweifelhafte Aussagekraft der Ergebnisse für menschliche Erkrankungen gegenüber.

„Überschüssige“ Tiere wie Verbrauchsmaterial entsorgt

Aus Tierschutzsicht bringt die gentechnische Manipulation des Erbgutes große Probleme mit sich. Für die Erstellung einer Zuchtlinie mit einer neuen Genveränderung lassen hunderte, manchmal tausende Tiere ihr Leben. Die verwendeten Methoden sind schmerzhaft und riskant, viele genmanipulierte Embryonen sterben schon im Mutterleib. Tausende Tiere werden als „Überschuss“ entsorgt, weil sie die gewünschte Mutation nicht in sich tragen oder keine Nachkommen mehr liefern.

Die Eingriffe ins Erbgut haben bei den überlebenden Tieren schwerwiegende Leiden und Schäden zur Folge. So erkranken beispielsweise genmanipulierte Mäuse bereits im Alter weniger Wochen an Krebs. Andere leiden unter schweren Herz-Kreislauf-Beschwerden oder dauerhaften Angstzuständen. Darüber hinaus haben die genetischen Veränderungen immer wieder unerwartete Auswirkungen: Manche Tiere werden kaum lebensfähig, verkrüppelt oder schwer krank geboren.

Xenotransplantation

Besonders qualvolle gentechnische Ansätze wie die Xenotransplantation sind der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die die Leidensfähigkeit von Tieren ignoriert, ihnen jede Form von Individualität abspricht und sie zu bloßen Ersatzteillagern für den Menschen herabwürdigt. Bei der Xenotransplantation werden Zellverbände bis hin zu ganzen Organen von einer Spezies auf eine andere transplantiert, so werden beispielsweise menschliche Tumore auf genmanipulierte Mäuse und Schweineherzen auf Paviane übertragen. Die verwendeten Tiere sterben oft schon nach wenigen Tagen an den schweren Abstoßungsreaktionen.

Bessere Finanzierung für Alternativmethoden nötig

Die aktuelle EU-Tierversuchsrichtlinie enthält die klare Zielvorgabe, Tierversuche mittelfristig zu reduzieren. Dennoch sind Ersatz- und Ergänzungsmethoden immer noch unterfinanziert, besonders im Bereich der Grundlagenforschung, während Milliarden in Tierversuchsprojekte fließen. Wir kämpfen auf politischer und wissenschaftlicher Ebene für andere Prioritäten in der Forschungsförderung, denn nur so kann der Einsatz von immer mehr genmanipulierten Tieren in Versuchen eines Tages durchbrochen werden.

Bereits jetzt existieren vielversprechende tierversuchsfreie Forschungsmethoden, mit denen sich viele Fragen der Genforscher sehr viel differenzierter als im „Tiermodell“ untersuchen lassen. Nur so ist eine moderne, zukunftsfähige und ethisch vertretbare Forschung möglich.

Fakten zu transgenen Tieren
- Forschungsprojekte zu Alternativmethoden werden jährlich mit gerade einmal 4-5 Millionen Euro bundesweit abgespeist
- Gene bestehen aus DNA, die die Erbinformation enthält
- sie sind der körpereigene Code für Proteine, diese wiederum kann man als „Funktionsbausteine“ des Organismus bezeichnen
- transgene Tiere tragen künstlich eingesetzte Fremd-DNA (ein „Transgen“) in ihrem Erbgut
- durch das Transgen werden entweder körpereigene Gene ausgeschaltet („Knock-out“) oder zusätzliche Proteine (und damit Funktionen) programmiert („Knock-in“)
- transgene Tiere machen aktuell rund ein Drittel der "Versuchstiere" in Deutschland aus
- 2013 starben fast 950.000 transgene Tiere in deutschen Laboren, 2011 waren es noch rund 700.000
- über 95 Prozent der transgenen "Versuchstiere" sind Mäuse
- bei der Erstellung neuer genmanipulierter Linien werden Tausende überzählige Tiere „entsorgt“, die in keiner Statistik auftauchen
- jedes Jahr fließen Milliarden von Steuergeldern in Tierversuchsvorhaben, davon immer mehr in Experimente mit transgenen Tieren