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FAQ Tierschutzlabel

Fragen zum Tierschutzlabel
des Deutschen Tierschutzbundes

1. Warum vergibt der Deutsche Tierschutzbund ein Tierschutzlabel?
2. Wofür steht das Tierschutzlabel?
3. Warum ein zweistufiges Label?
4. Was unterscheidet das Label von Bio- oder NEULAND-Produkten?
5. Der Deutsche Tierschutzbund steht doch für anspruchsvolle Anforderungen an den Tierschutz, wie sie mit dem NEULAND-Programm umgesetzt werden. Warum nun ein Label mit niedrigeren Anforderungen?
6. Was bringt das Label den Tieren?
7. Wo liegen die Herausforderungen für den Deutschen Tierschutzbund?
8. Wie wird kontrolliert?
9. Wer darf das Label nutzen?
10. Unterstützt der Deutsche Tierschutzbund mit dem Label den Fleischkonsum?
11. Fleischsiegel und Tierschutz, geht das zusammen?
12. Wann kommen Produkte auf den Markt?
13. Verdient der Deutsche Tierschutzbund an dem Label?
 
 

1. Warum vergibt der Deutsche Tierschutzbund ein Tierschutzlabel?

Umfragen belegen immer wieder, dass ein Großteil der Verbraucher davon überzeugt ist, mit seiner Kaufentscheidung Einfluss auf den Tierschutz nehmen zu können. Die Mehrheit hat jedoch Schwierigkeiten, tiergerecht erzeugte Produkte zu erkennen. Zudem sind diese Produkte nicht flächendeckend verfügbar. Experten der Universität Göttingen schätzen, dass 20 Prozent der deutschen Verbraucher an Tierschutz interessiert und bereit sind, mehr Geld für Produkte auszugeben, die unter Einhaltung höherer Tierschutzstandards produziert werden. Dem steht aber bislang ein wesentlich geringeres Angebot entsprechender Produkte gegenüber. Der Marktanteil von Bio-Geflügel beispielsweise liegt bei nur unter einem Prozent Marktanteil.
 
Der Deutsche Tierschutzbund setzt sich seit langem für die Einführung eines Tierschutzlabels ein, das für einen klaren Mehrwert an Tierschutz für die Tiere steht, eine Weiterentwicklung der bisher üblichen Haltungsformen in Gang setzt und damit deutlich über den gesetzlichen Mindestanforderungen angesiedelt ist. Die Diskussion um eine Tierschutzkennzeichnung hat in den letzten zwei Jahren zunehmend Fahrt aufgenommen. Die zeitnahe Umsetzung einer Kennzeichnungspflicht für alle Produkte, die tierische Bestandteile enthalten, oder die rasche Einführung einer freiwilligen staatlichen Tierschutzkennzeichnung, etwa analog dem Bio-Siegel, ist aber bis heute nicht in Sicht.
 
Die zunehmenden Diskussionen um eine solche Kennzeichnung, Teilentwicklungen im Markt und nicht zuletzt das zunehmende Interesse von Produzenten und Handel, sich gemeinsam mit dem Deutschen Tierschutzbund als Vertrauensträger im Tierschutz zu engagieren, haben gezeigt, dass die Zeit reif ist für einen breiten Tierschutz-Einstieg in den Markt. Daher hat der Deutsche Tierschutzbund sich entschieden, als Vertrauensträger im Tierschutz initiativ zu werden und mit einem Label auf den Markt zu gehen, das für einen wirklichen Mehrwert an Tierschutz steht.

 
 

2. Wofür steht das Tierschutzlabel?

Mit dem Label sollen zukünftig Produkte tierischen Ursprungs gekennzeichnet werden, denen Tierschutzstandards zugrunde liegen, die für die Tiere einen wirklichen Mehrwert an Tierschutz gewährleisten.

Die Kriterien sollen für alle landwirtschaftlich genutzten Tiere erarbeitet werden und sollen die gesamte Produktionskette umfassen (von der Zucht bis zur Schlachtung). Gestartet wird zunächst mit einem Label für Produkte von Masthühnern und Mastschweinen.
 
Das geplante zweistufige Label orientiert sich an Standards, die von der durch die Universität Göttingen ins Leben gerufenen „Initiative Tierwohl-Label" ausgearbeitet wurden und die derzeit in den Details vervollständigt werden.
 
1. Stufe (Einstiegsstufe)
 
Zu den Eckpunkten gehören in der ersten Labelstufe neben der Umstellung auf Ställe mit Strukturierung, mehr Platz und Beschäftigungsmöglichkeiten beispielsweise auch der Ausstieg aus dem Kupieren der Schwänze beim Schwein. Außerdem dürfen keine Schweine in die Mast eingestallt werden, die als Ferkel betäubungslos kastriert wurden. Bei Masthühnern beispielsweise wird durch eine Begrenzung der Tageszunahme verhindert, dass schnell wachsende Zuchtlinien, die zuchtbedingt unter Tierschutzproblemen leiden, eingesetzt werden. Darüber hinaus gibt es für Transport und Schlachtung ebenfalls strenge Anforderungen.
 
2. Stufe (Premiumstufe)
 
In der zweiten Labelstufe kommt zusätzlich unter anderem Zugang zu Auslauf und Freilandhaltung hinzu.
 
Neben diesen Mindestanforderungen müssen auch tierbezogene Kriterien erfüllt werden, mit denen konkrete Rückschlüsse auf das Wohlbefinden der Tiere möglich sind und die zeigen, ob die ambitionierten Standards im Alltag optimal bewirtschaftet werden. Zudem gilt: Wer die erste Labelstufe anbieten möchte, soll auch Produkte der zweiten Labelstufe im Angebot haben.
 
Selbstverständlich umfasst das Tierschutzlabel auch ein Verbot des Einsatzes von Gentechnik. Vorgeschrieben ist auch, dass keine Tierversuche im Sinne der gesetzlichen Definition durchgeführt werden dürfen und die im UN-Global Compact niedergelegten sozialen und ökologischen Mindeststandards erfüllt sind - insbesondere im Hinblick auf Kinderarbeit, Diskriminierung und Umweltschutz.

 
 

3. Warum ein zweistufiges Label?

Die prinzipiellen Forderungen des Deutschen Tierschutzbundes an eine tiergerechte Haltung sind anspruchsvoll. Das führt dazu, dass diese regelmäßig nur bei der Erzeugung von Premium-Produkten, wie z. B. von NEULAND, in vollem Umfang erfüllt werden und diese Produkte damit nur einen kleinen Marktanteil erreichen. Sie sind daher nicht überall verfügbar.
 
Zur Verbesserung von Tierschutzstandards für eine große Zahl von Tieren ist ein breiter Marktzugang notwendig. Daher erachtet es der Deutsche Tierschutzbund für sinnvoll, auch Teilentwicklungen oder kleine Entwicklungsschritte hin zu mehr Tierschutz zu unterstützen. Mit entsprechenden Schritten werden nicht nur erste Verbesserungen für eine größere Anzahl von Tieren erreicht, sondern wird gleichzeitig die Möglichkeit eröffnet, die breite Verfügbarkeit tiergerechterer Produkte zu beschleunigen. Ferner besteht die Aussicht, dass damit in der Folge auch die Entwicklung und Einführung höherer Tierschutzstandards insgesamt vorangetrieben wird und langfristig auch in die Gesetzgebung Einzug erhält.
 
Die Forderungen des Deutschen Tierschutzbundes nach den optimalen Tierschutzstandards und die Grundsatzkritik an Haltungsformen und gegebenenfalls auch Unternehmen bleiben von der Unterstützung von Teilentwicklungen unberührt.

 
 

4. Was unterscheidet das Label von Bio- oder NEULAND-Produkten?

Die Tierhaltungsstandards der Bio-Produkte entsprechen ungefähr denen der Premiumstufe des Tierschutzlabels des Deutschen Tierschutzbundes. Daher bringen die Bio-Betriebe die Grundvoraussetzungen mit, neben dem Bio-Siegel auch das neue Label tragen zu können. Die Kriterien des Deutschen Tierschutzbundes werden jedoch einige darüber hinausgehende Kriterien beinhalten: Mit dem Tierschutzlabel werden alle Stufen der Produktion abgedeckt ­ von der Zucht bis hin zur Schlachtung. Nur einzelne Bio-Verbände haben bislang weitgehende Anforderungen an die Zucht, den Transport oder die Schlachtung. Der Deutsche Tierschutzbund geht aber davon aus, dass Bio-Betriebe ohne größere Probleme auch die Premiumstufe des Tierschutzlabels erreichen können.

NEULAND erfüllt mit seinen Vorgaben die Anforderungen der Premiumstufe des Labels problemlos, in einigen Bereichen liegen die NEULAND-Standards sogar darüber. Wo im Rahmen der Diskussion um die Labelstandards des Deutschen Tierschutzbundes neue Aspekte ausgearbeitet und eingeführt werden, werden diese selbstverständlich auch im NEULAND-Programm in Zukunft umgesetzt.

Mit dem Tierschutzsiegel sollen künftig auch tierbezogene Kriterien erfasst werden, z.B. Gesundheitsprobleme oder Schäden an den Tieren, die konkrete Rückschlüsse auf das Wohlergehen der Tiere ermöglichen. So soll sichergestellt werden, dass mit den hohen Anforderungen an die Tierhaltung nicht nur die Voraussetzungen für ein „Mehr an Tierschutz" geschaffen werden, sondern diese auch optimal umgesetzt werden.

 
 

5. Der Deutsche Tierschutzbund steht doch für anspruchsvolle Anforderungen an den Tierschutz, wie sie mit dem NEULAND-Programm umgesetzt werden. Warum nun ein Label mit niedrigeren Anforderungen?

Der Deutsche Tierschutzbund hält es für sinnvoll, sich neben dem Tierschutzpremium-Niveau auch mit einem niedrigeren Einstiegsniveau einzubringen, das viele weitere Erzeuger und Verbraucher animiert mitzumachen und eine Entwicklung hin zu mehr Tierschutz fördert. Dabei müssen die Standards einer solchen Einstiegsstufe aber zu klaren Verbesserungen für die Tiere führen und damit deutlich über den gesetzlichen Mindestanforderungen angesiedelt sein. Gleichwohl müssen sie von einer größeren Anzahl von Erzeugern erfüllbar und die so erzeugten Produkte für die Verbraucher attraktiv sein. Mit diesem Schritt wird ein breiter Einstieg in Richtung mehr Tierschutz angestrebt, der langfristig weiter - auf das Premium-Niveau hin - ausgebaut wird.

 
 

6. Was bringt das Label den Tieren?

In der heutigen Tierproduktion werden die Tiere den Haltungssystemen angepasst und nicht umgekehrt. Mit dem Label soll dieser Fehlentwicklung sukzessive entgegengewirkt werden. Die dem Label zugrunde liegenden Tierschutzstandards werden zu einem wirklichen Mehrwert an Tierschutz führen.
 
Den Tieren muss mehr Platz zur Verfügung gestellt werden. Gleichzeitig muss die Haltungsumgebung umstrukturiert sein. Für Schweine heißt das, dass die Funktionsbereiche für Liegen, Fressen und Koten sichtbar getrennt sein müssen. Für Mastgeflügel müssen ein Außenklimabereich sowie Strukturelemente wie Sitzstangen zur Verfügung gestellt werden. Ferner sind Beschäftigungsmöglichkeiten wie z. B. Stroh vorgesehen. Eingriffe an Tieren, wie z. B. das betäubungslose Kastrieren der Eber, sind nicht zulässig. Die Premiumstufe sieht zudem einen Außenauslauf und bei den Schweinen Stroheinstreu vor.

 
 

7. Wo liegen die Herausforderungen für den Deutschen Tierschutzbund?

Ein Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes muss so gestaltet sein, dass es keinen Kaufanreiz bietet. Solange noch Fleisch gegessen wird, soll der Verbraucher sich transparent und klar für mehr Tierschutz entscheiden können. Dazu dient das Tierschutzlabel. Das hilft den Tieren ganz konkret und sofort.
 
Eine weitere Herausforderung ist eine verständliche und klare Kommunikation: Was steckt hinter den Labelstufen? Wie viel Tierschutz bieten die einzelnen Stufen? Die Einstiegsstufe bietet einen allerersten Schritt hin zu mehr Tierschutz mit ersten elementaren Verbesserungen für die Tiere. Aber die Einstiegsstufe bleibt dennoch ein Kompromiss und ist keine Revolution im Tierschutz. Hier muss dem Verbraucher klar und verständlich kommuniziert werden, wofür die Einstiegsstufe steht und dass er die Option der Premiumstufe hat. Nur so werden keine falschen Erwartungen geweckt.
 
Eine besondere Herausforderung ist zudem die Ausgestaltung der Labelstufen: Auch der Einstieg in die erste Stufe mit breitem Marktzugang muss einen spürbaren Tierschutz-Mehrwert beinhalten, dessen stetige Fortentwicklung garantiert sein muss. In diesem Spagat das optimal Machbare herauszuholen war eine Herausforderung.
 
Nicht zuletzt ist es immens wichtig, Missständen vorzubeugen. Der Deutsche Tierschutzbund steht für einen ambitionierten und glaubwürdigen Tierschutz. Dieses Vertrauen gilt es zu erhalten und zu untermauern. Neben der Etablierung solider belastbarer Anforderungen ist der Aufbau einer gut funktionierenden - neutralen und transparenten - Zertifizierung und Kontrolle (z. B. durch die spezielle Schulung der Zertifizierer/Kontrolleure) essentiell.

 
 

8. Wie wird kontrolliert?

Die Zertifizierung und Kontrolle wird durch eine unabhängige Zertifizierungsorganisation erfolgen. Die Zertifizierer und Kontrolleure werden speziell auf die Anforderungen des Labels geschult sein. Der Deutsche Tierschutzbund wird selbstverständlich Zugang zu allen Zertifizierungs- und Kontrollergebnissen haben. Darüber hinaus wird der Deutsche Tierschutzbund unangemeldete Kontrollen durchführen.

 
 

9. Wer darf das Label nutzen?

Für das Label können sich grundsätzlich alle Unternehmen bewerben, die die zugrunde liegenden Richtlinien erfüllen. Nach erfolgreicher Zertifizierung durch eine unabhängige Zertifizierungsorganisation darf das Label genutzt werden.

 
 

10. Unterstützt der Deutsche Tierschutzbund mit dem Label den Fleischkonsum?

Nein! Das Label soll dem Käufer keinen Kaufanreiz bieten. Solange in unserer Gesellschaft der Fleischkonsum relevant ist, soll dem Verbraucher mit dem Label ein Entscheidungsinstrument für mehr Tierschutz an die Hand gegeben werden. Es soll eine verlässliche Information sein und Tierschutzprodukte eindeutig und verständlich erkennbar machen. Niemand soll zum Kauf tierischer Produkte ermuntert werden, aber diejenigen, die nicht auf Fleisch verzichten wollen, sollen animiert werden, sich für ein tierfreundlicheres Produkt zu entscheiden. Der Verbraucher wird somit in die Pflicht genommen. Das hilft den Tieren ganz konkret und sofort.

 
 

11. Fleischsiegel und Tierschutz, geht das zusammen?

Das Label soll dem Käufer weder einen Kaufanreiz bieten noch ihn von seiner Verantwortung als Konsument freisprechen. Der Deutsche Tierschutzbund steht dafür, jedes einzelne Tier um seiner selbst Willen zu schützen. Solange jedoch die Gesellschaft die Zucht, die Haltung und den Tod von Tieren zu Ernährungszwecken als vernünftigen Grund akzeptiert, gilt es, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die Situation der Tiere zu verbessern. Daher unterstützt der Deutsche Tierschutzbund auch kleine Schritte in die richtige Richtung, um zeitnah voranzukommen. Die grundsätzlichen und hohen Tierschutzforderungen, für die der Deutsche Tierschutzbund mit aller Kraft eintritt, bleiben davon unberührt. Mit dem Label sollen erste Schritte in Richtung für ein "Mehr an Tierschutz" auf den Weg gebracht werden. Es soll den Verbraucher sensibilisieren, informieren, ihm ein Entscheidungsinstrument für oder gegen mehr Tierschutz an die Hand geben und ihn letztendlich in die Pflicht nehmen. Das Ziel ist, mit diesem Einstieg möglichst schnell Verbesserungen in der landwirtschaftlichen Produktion zu erreichen. Doch unabhängig von dem Engagement des Deutschen Tierschutzbundes, hohe Tierschutzstandards in der landwirtschaftlichen Produktion durchzusetzen, sieht der Verband die fleischlose Ernährung als größten Schritt in Richtung Tierschutz und wird die vegane und vegetarische Lebensweise auch weiterhin propagieren und unterstützen.

 
 

12. Wann kommen Produkte auf den Markt?

Die Vorbereitungen für das Tierschutzlabel laufen auf Hochtouren. Die Details zu den Richtlinien sowie den rechtlichen Fragen sind derzeit in der finalen Ausarbeitung, sodass wir 2012 auf den Markt gehen können.

 
 

13. Verdient der Deutsche Tierschutzbund an dem Label?

Nein! Der Deutsche Tierschutzbund ist eine gemeinnützige Organisation, die sich für das Wohl der Tiere einsetzt und kein auf Gewinn ausgerichtetes Unternehmen. Die Kosten werden durch die Firmen getragen, die das Siegel nutzen werden. Der Deutsche Tierschutzbund wird an dem Siegel nicht verdienen.

 
 
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