Sobald auf Wiesen und Feldern die Ernte beginnt, können die großen Erntemaschinen Wildtieren gefährlich werden, die in den Pflanzen Unterschlupf gesucht haben. Vor allem junge Hasen und Rehe ducken sich bei Gefahr und kauern regungslos am Boden, was ihnen beim Mähen zum Verhängnis wird. Die Maschinen zerstören Nester und Gelege von Vögeln, die auf Wiesen brüten. Viele dieser Vögel stehen auf der Roten Liste der bedrohten Arten, beispielsweise Kiebitz, Feldlerche, Bekassine und Wachtelkönig.
Jährlich sterben auf diese Weise 500.000 Wildtiere - darunter allein 90.000 Rehkitze. Die hohen Zahlen hängen auch mit der Intensivierung der Landwirtschaft zusammen: Es werden schnell wachsende Grassorten eingesetzt, deren Wachstum durch Dünger nochmals beschleunigt wird, so dass häufig geschnitten werden muss - zum Teil alle sechs bis sieben Wochen. Die Mahd beginnt oft bereits sehr zeitig im Frühjahr - der typischen Brutzeit vieler Tiere.
Lösungsansätze
Für den Schutz größerer Wildtiere können Wildtierretter-Geräte eingesetzt werden, wie zum Beispiel der "Life finder" aus den USA. Damit können Landwirte die Tiere vor oder während des Mähens aufspüren. Andere Suchgeräte mit Mikrowellen- oder Infrarotsensoren, die den Wassergehalt und die Wärme der Umgebung messen und damit Tiere unterscheidbar machen, sind noch in der Entwicklung. Beide Verfahren helfen jedoch Feldhasen und Bodenbrütern wenig, weil die gefundenen Tiere vom Menschen aufgezogen werden müssten.
Eine weitere Möglichkeit ist das Absuchen der Fläche mit Jagdhunden. Sinnvoll ist außerdem eine Mähweise vom inneren Teil des Feldes zum Rand, um den Tieren eine Chance zur Flucht zu geben. Langfristig ist ein nachhaltiger Schutz nur durch eine wildtierfreundliche Agrarpolitik zu erreichen.