Botolinumtoxin, besser bekannt unter Botox, findet als "Anti-Falten-Mittel" immer weitere Verbreitung. Mit dem starken Nervengift lassen sich Gesichtsfalten "wegspritzen", um so jugendlich auszusehen. Bakterien produzieren den Stoff, der die Signale zwischen Nerv und Muskel hemmt. Unter die Haut im Gesicht gespritzt lähmt es für etwa zwei bis sechs Monate die Muskeln, das Gesicht erscheint dadurch glatter.
Doch was vielen nicht bekannt ist: Für den Test jeder einzelnen Produktionseinheit Botox müssen mindestens 100 Mäuse sterben. Im Jahr sollen es nach Hochrechnungen mindesten 500.000 Mäuse weltweit sein. Mindestens 50 Prozent des Mittels werden allein für kosmetische Zwecke eingesetzt - der Rest kommt als Medikament zum Einsatz, beispielsweise für die Behandlung von Spasmen, Muskelverkrampfungen, Schiefhals oder Augenkrankheiten. Das EU-weite Tierversuchsverbot greift hier nicht, da Botox rechtlich als Medikament angesehen wird.
Botox wird im LD50 Test geprüft - einem Tierversuch, der die Wirksamkeit des Stoffes anhand der Todesrate der Tiere misst. Bei dem grausamen Versuch wird ermittelt, bei welcher Dosis 50 Prozent der Mäuse sterben. Den Tieren wird Botox in die Bauchhöhle gespritzt. Sie reagieren mit Lähmungen und Sehstörungen bis sie schließlich durch die Lähmung des Atemmuskels ersticken. Dieser Todeskampf der Tiere kann bis zu vier Tage dauern.
2009 wurden über 34.000 Mäuse in LD50-Tests verbraucht worden - vermutlich um Botox zu testen. 2008 waren es noch mehr als 5.000 Tiere weniger und der starke Anstieg ist vermutlich auf Botox zurückzuführen.
Grundsätzlich darf laut Tierschutzgesetz ein solch qualvoller Tierversuch nur durchgeführt werden, wenn dies „von hervorragender Bedeutung für wesentliche Bedürfnisse von Mensch und Tier ist". Bei einer kosmetischen Anwendung ist das eindeutig nicht der Fall. Der Deutsche Tierschutzbund fordert daher, dass Botox nicht mehr für kosmetische Zwecke eingesetzt werden darf, solange der Tierversuch nicht durch tierversuchsfreie Methoden ersetzt werden kann.
Hoffnung gibt eine Meldung aus den USA: Ende Juni 2011 wurde von der Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde, der Food and Drug Administration, ein tierversuchsfreier Zelltest vom Botox-Hersteller Allergan anerkannt. Damit wird der Hersteller 95 Prozent seiner Tierversuche dort ersetzen. Erste Zulassung in Europa: 2012 hat auch das Schweizerische Heilmittelinstitut swissmedic den tierversuchsfreien Zelltest anerkannt. Der Deutsche Tierschutzbund wird sich dafür einsetzen, dass dieser Test schnellstmöglich auch in der EU anerkannt wird und die europäischen Hersteller zukünftig keine Mäuse mehr für Botox töten.
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Verdeckte Film-Aufnahmen in englischem Labor
Bei verdeckten Recherchen in einem englischen Auftragsforschungslabor hat die britische Tierschutzorganisation British Union for the Abolition of Vivisection (BUAV) das Leiden der Mäuse bei den Botox-Tests gefilmt. Die Organisation Ärzte gegen Tierversuche und der Deutsche Tierschutzbund präsentieren den abschreckenden und aufklärenden Film in deutscher Fassung.
Achtung: Dieser Film zeigt Szenen, die für Kinder und sensible Menschen nicht geeignet sind.