Alternativmethoden

Tierversuchsfreien Test- und Forschungsmethoden gehört die Zukunft

Labor

Tierversuchsgegnern wird häufig unterstellt, den wissenschaftlichen Fortschritt unserer Gesellschaft bremsen zu wollen oder das Wohl der Tiere über das des Menschen zu stellen. Das Gegenteil ist aber der Fall: Tierversuche sind nicht nur aus ethischer Sicht abzulehnen, sondern sie liefern in der Regel Ergebnisse, die nur schwer auf den Menschen übertragbar oder von vorneherein medizinisch irrelevant sind. Tierversuchsfreie Test- und Forschungsmethoden, oft als "Alternativmethoden" bezeichnet, hingegen werden von vorneherein dafür entwickelt, spezifische Fragestellungen präzise beantworten zu können. Der „Umweg“ über eine andere Spezies wird ausgelassen, stattdessen wird mittels hochmoderner Verfahren unmittelbar mit Blick auf den menschlichen Patienten geforscht.

Zellkulturen

Die Bandbreite verfügbarer „Alternativmethoden“ zu Tierversuchen ist mittlerweile riesig. Mittels Zellkulturen lässt sich heute beinahe jede Art von Körpergewebe nachzüchten, so dass beispielsweise die Giftigkeit von Testchemikalien an künstlichen menschlichen Hautschichten getestet werden kann. Auch Gewebe und sogar manche Organe können Wissenschaftler bereits im Labor wachsen lassen. Auf diese Weise kommen einerseits zuverlässige Ergebnisse zustande, andererseits können besonders qualvolle Versuche an Kaninchen oder Meerschweinchen ersetzt werden. Zudem werden Kosten und Zeit eingespart, denn schon die Haltung von Tieren für Versuchszwecke ist sehr aufwändig und die Experimente selbst dauern oft Wochen und Monate.

Tierversuchsfreie Verfahren sind in der direkten Anwendung meist kostengünstiger, so dass sich auf lange Sicht auch die zunächst eventuell höheren Anschaffungskosten für benötigte Geräte rechnen. Sie liefern zudem in  kurzer Zeit Ergebnisse und in sogenannten Hochdurchsatz-Verfahren können viele Chemikalien oder Wirkstoffe gleichzeitig getestet werden.

Bildgebende Verfahren

Ein Mann liegt auf der Untersuchungsliege eines MRT-Gerätes. © emrikoo-Fotolia.com
Mit bildgebenden Verfahren wie der Magnetresonanztomographie (MRT) lassen sich Struktur/Funktion der Gewebe und Organe im Körper schmerz- und strahlungsfrei darstellen. © emrikoo-Fotolia.com

Ein weiterer Bereich, der in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung durchgemacht hat, sind die bildgebenden Verfahren. Krankheiten und ihre Auswirkungen im Körper lassen sich bei Untersuchungen von Gesunden und Patienten mit deren Einwilligung quasi in Echtzeit beobachten und analysieren. Die gewonnenen Erkenntnisse sind sehr viel aufschlussreicher als die veralteter experimenteller Methoden, bei denen Tiere künstlich krank gemacht werden.

Computerverfahren und klinische Studien an Freiwilligen

Computermodelle errechnen innerhalb kurzer Zeit Informationen über die Giftigkeit und Wirksamkeit von Testsubstanzen und sind dabei deutlich effizienter als Tierversuche. Animierte Simulatoren ermöglichen eine realitätsnahe und moderne Ausbildung von Studenten, Sanitätern oder militärischem Personal und ersetzen zunehmend Sektionen oder Operationsübungen an (teils lebenden) Tieren. Klinische und epidemiologische Forschung, also die Beobachtung von Patienten bzw. Patientengruppen, nimmt einen immer höheren Stellenwert ein und liefert naturgemäß besonders wertvolle Ergebnisse über tatsächliche Krankheitsverläufe und Therapieansätze.

Warum gibt es trotzdem noch Tierversuche?

Trotz all dieser und unzähliger weiterer Ansätze hat der Sektor der tierversuchsfreien Test- und Forschungsverfahren nach wie vor mit massiven Schwierigkeiten zu kämpfen. Diese beginnen bei der finanziellen Förderung durch Staat und Wirtschaft, die nur einen Bruchteil dessen beträgt, was jährlich in irreführende und grausame Tierversuche investiert wird. Des Weiteren müssen neu entwickelte Verfahren langwierige und teure Überprüfungen bis zu ihrer Zulassung durchlaufen. Die meisten etablierten Tierversuche haben übrigens kein Zulassungverfahren durchlaufen, sondern wurden irgendwann eingeführt und einfach immer weiter beibehalten. Allein schon dadurch sind sie methodisch den  neuen tierversuchsfreien Methoden oft weit unterlegen.

Eine weitere Hürde nach der Zulassung besteht darin, die neuen Verfahren bekannt zu machen, so dass sie auch tatsächlich zum Einsatz kommen. Hier besteht oft ein Mangel an Informationen und Vernetzung, so dass es vorkommen kann, dass trotz existierender und zugelassener „Alternativmethode“ ein eigentlich ersetzbarer Tierversuch durchgeführt wird. Institutionen und Wissenschaftler  oder Behördenvertreter, die bereits seit langer Zeit auf Tierversuche setzen, stehen überdies den Neuerungen oftmals sehr skeptisch gegenüber, so dass häufig nur ein Verbot bestimmter Tierversuche dazu führt, dass  tatsächlich die neuen Verfahren standardmäßig zum Einsatz kommen.

Einsatz des Deutschen Tierschutzbundes

An all diesen Punkten setzen wir an und versuchen, den Prozess hin zu einer ethisch vertretbaren und wissenschaftlich belastbaren, zuverlässigen Forschung voranzutreiben. In unserem eigenen Zellkulturlabor wird an der Entwicklung tierversuchsfreier Methoden geforscht. Unsere Wissenschaftler prüfen Rechtsvorschriften auf Möglichkeiten, Tierversuche einzuschränken oder durch tierversuchsfreie Verfahren zu ersetzen bzw. unterbreiten Umsetzungsvorschläge, betreiben Öffentlichkeits- und Gremienarbeit, werben für eine umfangreichere finanzielle Förderung tierversuchsfreier Ansätze  und bringen Akteure  und Einrichtungen miteinander in Kontakt.