Affenleid in Tübingen

Auch in Tübingen werden die Affen in Primatenstühlen fixiert und müssen stundenlang Aufgaben am Bildschirm lösen.
Auch in Tübingen werden die Affen in Primatenstühlen fixiert und müssen stundenlang Aufgaben am Bildschirm lösen.

Schockierende Bilder einer Undercover-Recherche von Tierschützern belegen die immensen Schmerzen, Leiden und Ängste, denen Affen im Bereich der Hirnforschung am Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik in Tübingen ausgesetzt sind (Stern-TV berichtete am 10.09. und 17.09.2014).

Die Bilder zeigen Affen, die sich aufgrund der Auswirkungen eines Eingriffs am Gehirn andauernd übergeben. Affen, die mit Gewalt aus ihrem Käfig gezerrt werden. Andere, die sich panisch in den sogenannten Affenstühlen, in denen sie später für die Versuche am Kopf fixiert werden, immer wieder im Kreis drehen. Affen, deren Operationswunden sich entzünden und die sich selbst die frischen OP-Nähte aufreißen. Affen, die verzweifelt an den Gitterstäben lecken, um nach der Reinigung der kahlen Käfige zurückgebliebene Wassertropfen zu erhaschen.

Um die Tiere für die Versuche gefügig zu machen, gibt man ihnen tagelang nichts zu trinken. Erst im Versuch, wenn sie sich kooperativ verhalten, bekommen sie ein paar Tropfen Flüssigkeit (meist Fruchtsaft, der den Durst noch steigert). Die Misshandlungen und Leiden der Tiere, die die Bilder zeigen, sind kaum zu ertragen und könnten weiter aufgezählt werden. Selbst als ein Tier schwer erkrankt, wird es von den Verantwortlichen erst nach mehreren Tagen von seinen Leiden erlöst, obwohl ein Tierarzt bereits diagnostiziert hatte, dass dem Tier nicht mehr geholfen werden kann.

Mit der von Forschern oftmals behaupteten „Freiwilligkeit“ und „Bereitschaft“ der Tiere, bei den Versuchen mitzumachen, hat all das nichts zu tun. Ebenso wenig passt es zu den Beteuerungen von Politikern, Behördenvertretern und Forschern, das deutsche Tierschutzgesetz sei geradezu vorbildhaft streng und würde zuverlässig vor Tierquälereien schützen.

Auch am MPI Tübingen stammen die Affen teilweise aus Wildfängen. Der Fang und Transport bedeuten zusätzliche Leiden für die Tiere. © BUAV
Auch am MPI Tübingen stammen die Affen teilweise aus Wildfängen. Der Fang und Transport bedeuten zusätzliche Leiden für die Tiere. © BUAV

Versuche wie die beschriebenen finden jedoch nicht nur in Tübingen statt. Seit Jahren hat der Deutsche Tierschutzbund exemplarisch massiv gegen die Hirnversuche an Affen an der Universität Bremen Front gemacht. Doch das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig bescheinigte dem Bremer Forscher Andreas Kreiter im Januar 2014 in letzter Instanz, dass seine Versuche für die Affen nur mäßig belastend seien. Da man sich hervorragende Erkenntnisse verspreche, seien die Versuche ethisch vertretbar und daher zu genehmigen. Wie die Richter zu einer derartigen Einschätzung kommen konnten, ist kaum zu glauben, wenn man die nun veröffentlichten Aufnahmen betrachtet. Sie stehen in krassem Gegensatz dazu und bestätigen in erschütternder Weise erneut, dass unsere gesetzlichen Regelungen nicht einmal solche Auswüchse an Schmerzen, Leiden, Ängsten und Schäden für die Tiere verhindern können.
Der Nutzen der Forschung, für die diese Tiere missbraucht werden, ist mehr als fragwürdig. Im Angesicht des hier öffentlich gemachten unaussprechlichen Leides von Tieren, wirkt es wie blanker Hohn, dass solche Eingriffe von den Forschern, Gerichten und auch Behörden als geringe oder mäßige Belastungen angesehen werden.

Was wir tun
Neben unseren Aktivitäten gegen die Affenversuche in Bremen setzen wir uns seit Jahren auch gegen die grausamen Versuche in Tübingen ein. Schon im Rahmen einer Expertenanhörung im baden-württembergischen Landtag 2012 hat der Deutsche Tierschutzbund deutlich gemacht, dass die Tübinger Versuche ethisch nicht vertretbar sind. Der stellvertretende Leiter der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes, Roman Kolar, war im Jahr 2013 Hauptredner auf einer Demonstration gegen die Affenversuche in Tübingen.
Versuche an Affen werden gerne verharmlost und interessensgeleitete Wissenschaftler suggerieren häufig, die protestierende Öffentlichkeit unterläge lediglich einer sensationsgerechten Medienmanipulation. Wir haben daher einen Kommentar zum Thema Manipulation der öffentlichen Meinung verfasst. Anlass war ein aus unserer Sicht unsachgemäßer Kommentar in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. 

Im Anschluss an die TV-Ausstrahlung der jüngsten Bilder haben wir gemeinsam mit unserem Landestierschutzverband Baden-Württemberg in eindringlichen Schreiben an die verantwortlichen Minister Bonde und Bauer appelliert. Es müssen umgehend alle notwendigen Schritte in die Wege geleitet werden, um die quälerischen Affenversuche in Tübingen zu beenden und sich auf Bundesebene für eine dringend notwendige Überarbeitung des Tierschutzgesetzes eingesetzt werden. Zusätzlich haben wir aufgrund der vorliegenden Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und die Genehmigungsauflagen auch rechtliche Schritte gegen das MPI Tübingen in die Wege geleitet und Strafanzeige erstattet. Die Ermittlungen laufen noch. Der Deutsche Tierschutzbund und sein Landestierschutzverband Baden-Württemberg kritisieren zudem unwahre und sich widersprechende Aussagen des Tübinger MPI und der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), die in der intensiven medialen Berichterstattung über Tübinger Affenversuche vielfach ungeprüft kommuniziert wurden. Mit einer Stellungnahme forderten wir Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann sowie Minister Bonde und Ministerin Bauer, auf, die noch immer stattfindenden Experimente erneut zu prüfen.

Neueste Entwicklungen (Mai 2015)

Kürzlich hat das Max-Planck-Institut Tübingen angekündigt die Affenversuche zu beenden. Wir begrüßen diesen Schritt, sehen aber kritisch, dass der Ausstieg noch mindestens zwei Jahre dauern wird, bis die aktuelle Genehmigung für die Forschung ausgelaufen ist. Außerdem wollen die Forscher im Anschluss mit Nagetieren arbeiten. Innovative Forschung ist auch ohne Tierleid möglich, daher fordern wir einen sofortigen und kompletten Ausstieg aus Tierversuchen.