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Pressemeldung August 2010

 
 

05.08.10


Ersatz für grausamen Draize-Test an Kaninchen international anerkannt

Nach über einem Jahrzehnt wissenschaftlicher Forschung und Lobbyarbeit von Tierschutzorganisationen hat die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris am 22. Juli diesen Jahres eine neue tierversuchsfreie Richtlinie zur Prüfung auf Hautreizung anerkannt. Diese steht nun zur sofortigen Anwendung für Firmen und Behörden weltweit bereit. Der Deutsche Tierschutzbund begrüßt diesen Schritt.
 
Die neue OECD-Richtlinie ermöglicht die Verwendung von drei künstlichen Modellen der menschlichen Haut, die von den Unternehmen SkinEthic aus Frankreich und MatTek aus den USA entwickelt wurden, sowie von anderen Modellen, die den Anforderungen der Richtlinie entsprechen. Diese Methoden werden bis auf wenige Ausnahmen den noch aus den 1940er Jahren stammenden Draize-Test an Kaninchen vollständig ersetzen, der traditionell zur Überprüfung einer möglichen Hautreizung durchgeführt wurde. Dieser grausame Tierversuch sieht vor, dass man die zu testenden Chemikalien auf die geschorene Haut am Rücken von Kaninchen aufbringt.
 
Die neuen tierversuchsfreien Methoden hingegen bieten eine humane und genauere Möglichkeit zur Überprüfung einer möglichen schädigenden Wirkung einer Substanz für die Haut. Für den Test werden Zellen der menschlichen Haut verwendet, die bei Operationen als Abfall übrig bleiben. Daraus wird eine dreidimensionale künstliche Hautschicht aufgebaut, die nahezu die gleichen Eigenschaften besitzt wie menschliche Haut. Die zu testenden Substanzen werden dann auf das Haut-Modell aufgetragen, um die Wirkung dieser Stoffe zu beurteilen.
 
Die Tierschutzvereinigung International Council for Animal Protection in OECD Programmes (ICAPO), bei der auch die Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes Mitglied ist, hat aktiv bei der Erstellung der neuen OECD-Richtlinie mitgeholfen. „Endlich haben wir diesen veralteten und unzuverlässigen Tierversuch in weiten Teilen abschaffen können - wir feiern einen Sieg für den Tierschutz und die Verbrauchersicherheit", freut sich Dr. Brigitte Rusche, Leiterin der Akademie für Tierschutz und Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes. „Die Zukunft gehört fortschrittlichen und humanen tierversuchsfreien Methoden. Hier gibt es aber leider noch viel Handlungsbedarf." Rusche verweist u. a. darauf, dass im Zellkulturlabor der Akademie für Tierschutz fieberhaft am Ersatz eines anderen berüchtigten Draize-Tests gearbeitet wird, bei dem lebenden Kaninchen zur Prüfung auf Augenreizung Chemiekalien in die Augen geträufelt werden. 

 
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