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22.04.09

Tag des Versuchstiers: Deutscher Tierschutzbund fordert Vorreiterrolle Deutschlands – Tierversuchszahlen steigen dramatisch an

Zum Internationalen Tag des Versuchstiers am kommenden Freitag ruft der Deutsche Tierschutzbund alle deutschen und europäischen Politiker auf, sich für den Schutz von Versuchstieren stark zu machen. Es reiche nicht aus, die Situation der steigenden Versuchstierzahlen zu beklagen. Die Bundesregierung müsse ihren Worten Taten folgen lassen. Insbesondere die derzeit diskutierte Neuauflage der EU-Tierversuchsrichtlinie müsse als Chance begriffen werden, auch in Deutschland endlich einen besseren Schutz von Versuchstieren zu erzielen, so der Verband in Bonn. In Deutschland steigt der „Verbrauch" von Versuchstieren seit Jahren kontinuierlich an. Im Jahr 2000 waren es 1,8 Millionen. Laut der offiziellen Versuchstierstatistik waren es 2007 bereits 2,6 Millionen Wirbeltiere.
 
„Die horrenden Tierversuchszahlen belegen, dass die derzeitigen Bestimmungen zur Genehmigung von Tierversuchen in Deutschland nicht ausreichen. Die Schutzstandards für Versuchstiere müssen verbessert, die Tierversuchszahlen massiv gesenkt werden", so Brigitte Rusche, Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes und Leiterin der Akademie für Tierschutz.
 
Laut Tierschutzgesetz soll erhebliches Tierleid in Tierversuchen nur dann zulässig sein, wenn es sich um Forschung von herausragender Bedeutung für den Menschen, die Tiere oder die Umwelt handelt. Diese allgemein gehaltene, minimale Grundbedingung, hat zur Folge, dass Tiere beliebig als wissenschaftliche Messinstrumente genutzt werden können. Das erhebliche Leid oder der besondere Nutzen für Mensch oder Tier bleibt für die Forscher „frei interpretierbar", detaillierte Vorgaben fehlen.
 
Derzeit wird auf europäischer Ebene ausgehandelt, wie Tierversuche innerhalb der EU zukünftig geregelt werden sollen. Anlass ist eine Überarbeitung der mehr als 20 Jahre alten EU-Versuchstierrichtlinie1. Dies würde der Bundesregierung die Gelegenheit geben, sich für gesetzliche Maßgaben einzusetzen, die geeignet wären, auch die Situation für die Tiere in Deutschland zu verbessern.
 
„Angesichts der Ausgangssituation in Deutschland ist es ein Skandal, dass aus einer offiziellen Beschlussfassung des Bundesrates hervorgeht, dass keine gesetzlichen Maßnahmen unterstützt werden, die über die derzeit in Deutschland geltenden Bestimmungen hinausgehen. Stattdessen, so der Beschluss, soll alles verhindert werden, was über Anforderungen in Deutschland hinausgeht, um die Forschung nicht zu behindern. Dabei sind mit der tierversuchsfreien Forschung viele Chancen verbunden, es muss keinen Widerspruch zwischen Tierschutz und Forschung geben", betont Rusche. Zwar will sich der Bundesrat dafür einsetzen, dass Versuche an Menschenaffen verboten werden. Angesichts der Tatsache, dass derartige Versuche in Deutschland gar nicht stattfinden, wird dies aber nichts an der Grundproblematik ändern und ist eher nur eine Nebelbombe, um die Öffentlichkeit ruhig zu halten, ergänzt Rusche.
 
„Wenn nicht jetzt, wann dann sollen Maßnahmen ergriffen werden, dem millionenfachen Tierleid in den Labors zu begegnen? Wenn wir auf nationaler Ebene schärfere Gesetze fordern, wird immer mit dem drohenden Wettbewerbsnachteil argumentiert. Politiker, die jetzt blockieren, dass in der EU erheblich erhöhte Anforderungen an Tierversuche gestellt werden, sind Tierschutzbremser", so Rusche.

 
 
1 RICHTLINIE DES RATES 86/609/EWG vom 24. November 1986 zur Annäherung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten zum Schutz der für Versuche und andere wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere

 
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