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Pressemeldung November 2008

 
 

17.11.08

Heute veranstalteten der Deutsche Tierschutzbund und der Bremer Tierschutzverein eine öffentliche Expertendiskussion zu den Bremer Affenversuchen. Dabei bestätigten renommierte Wissenschaftler aus den Bereichen Recht, Ethik und Verhaltensforschung, dass das Verbot weiterer Affenversuche durch die Bremer Genehmigungsbehörde formal und inhaltlich berechtigt ist.
 
„Die Bremer Bürgerinnen und Bürger wurden in den letzten Wochen durch den Affenforscher Andreas Kreiter, die Leitung der Universität Bremen und Vertreter von Wissenschaftsverbänden gezielt desinformiert. Wir konnten mit der heutigen Veranstaltung einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass die öffentliche Diskussion sich wieder an den Fakten orientiert“, so Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes und Vorsitzender des Bremer Tierschutzvereins.
 
Bei der Expertendiskussion unterstrich der Berliner Rechtsanwalt Hans-Georg Kluge, Staatssekretär a. D. und Herausgeber des Kommentars zum Tierschutzgesetz, dass die Behörde dazu verpflichtet sei, eine eigene ethische Abwägung vorzunehmen. Sie müsse die Versuche ablehnen, wenn sie zur Überzeugung gelange, dass sie ethisch nicht vertretbar seien. Dies gehe aus dem Tierschutzgesetz in Verbindung mit dem Staatsziel Tierschutz im Grundgesetz und nachfolgenden Gerichtsurteilen eindeutig hervor.
 
Immanuel Birmelin, international renommierter Biologe und Verhaltensforscher, bestätigte, dass Aussagen des Primatenforschers, die Tiere würden in seinen Versuchen nur unwesentlich belastet, aus wissenschaftlicher Sicht nicht haltbar seien. Kreiters Einschätzung versäume es, die Belastung der Affen durch Flüssigkeitsentzug und stundenlange Fixierung angemessen zu berücksichtigen.
 
Roman Kolar, stellvertretender Leiter der Akademie für Tierschutz, war Mitglied der Expertengruppe, welche im Auftrag des Bremer Senats im Jahr 2007 die Arbeiten Kreiters auf die ethische Vertretbarkeit begutachten sollte. Er kritisierte, dass dieses Gremium überwiegend mit Tierexperimentatoren besetzt gewesen und seinem eigentlichen Auftrag nicht nachgekommen sei. So seien unter anderem ethische Aspekte nicht erörtert worden. Kolar verwies darauf, dass die Expertengruppe allerdings bestätigt habe, dass Kreiters Versuche weder therapeutische Anwendungen zum Ziel hatten noch solche bisher daraus hervorgegangen sind.
 
Petra Mayr, Philosophin und Wissenschaftsjournalistin mit Spezialisierung auf dem Gebiet Tierethik, legte dar, dass die Erweiterung von Wissen - wie in der Grundlagenforschung - allein keine ausreichende Rechtfertigung für belastende Tierversuche darstelle. Selbst medizinische Forschung müsse sich an klaren ethischen Grenzen orientieren, wie zum Beispiel auch die Stammzellforschung. Eine ethische Abwägung anhand der Kriterien, die das Tierschutzgesetz vorgebe und die sich an den aktuellen Entwicklungen im Bereich der Tierethik orientiere, würde im Ergebnis die Zulässigkeit der Bremer Primatenversuche verneinen. Ethik sei zudem alles andere als frei von gesellschaftlichen Meinungen und Entwicklungen, sondern müsse diese vielmehr in konkrete Handlungsmaßstäbe überführen.
 
„Innerhalb weniger Wochen haben wir in Bremen wieder mehr als 6.000 Unterschriften von wahlberechtigten Bürgern aus der Hansestadt erhalten, die unseren neuen Bürgerantrag gegen die Affenversuche unterstützen. Dies macht uns nicht nur Mut, unseren Kampf fortzusetzen, sondern bestätigt erneut auf demokratischem Wege, dass wir uns mit unserem Protest auf dem Boden unseres gesellschaftlichen Wertesystem befinden“, so Apel abschließend.

 
  Mehr zu diesem Thema:
Affenversuche in Bremen
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