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Handel mit Robbenprodukten

 
 

Nachdem die Mehrheit der Parlamentarier im EU-Parlament sich bei der Abstimmung am 5. Mai 2009 für ein Importverbot für Robbenprodukte ausgesprochen hatte, stimmten Ende Juli in Brüssel auch die Vertreter der EU-Staaten dem neuen Gesetz zu. Ende Oktober wurde die Verordnung (EG) Nr. 1007/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. September 2009 über den Handel mit Robbenerzeugnissen im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht. Die vollständige Regelung wird 2010 in Kraft treten.
 
Dies wird den weltweiten Handel mit Robbenprodukten entscheidend schwächen und der grausamen kommerziellen Jagd damit hoffentlich ein baldiges Ende setzen. Nach der neuen Verordnung dürfen keine Robbenprodukte mehr in Europa auf den Markt gebracht werden, es sei denn, sie stammen von den arktischen Ureinwohnern Inuit, die keine kommerzielle Robbenjagd betreiben. Das Verbot gilt für sämtliche Robben-Produkte, darunter auch Öle, Häute und Tran, der in Kosmetik oder Medizin verwendet wird.
 
In den letzten Jahren wurden immer noch Felle, Fleisch und Fett von Robben nach Europa importiert. Das jährliche Handelsvolumen der Pelze allein in Deutschland betrug etwa eine Million Euro, im Jahr 2005 wurden 459,8 Tonnen Robbenfellprodukte nach Deutschland importiert. EU-weit war bislang nur der Import der Felle der neugeborenen Robben, die als whitecoats (Weißmäntelchen) oder bluebacks (Blaurücken) bezeichnet werden, verboten.
 
 

Vom Entwurf zum Gesetz

Nach zweijährigem Vorlauf hatte die EU-Kommission am 23. Juli 2008  einen Entwurf für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über den Handel mit Robbenerzeugnissen in der EU vorgelegt. Dieser Entwurf erfüllte jedoch nicht die Forderungen des Deutschen Tierschutzbundes nach einem vollständigen Handelsverbot, denn er ließ neben den akzeptablen Jagdrechten der Inuit weitere Ausnahmen zu: Wenn in einem Land Rechtsvorschriften oder andere Anforderungen sicher gewährleisteten, dass die Robben unter Vermeidung unnötiger Schmerzen und Qualen getötet werden, dürfen aus diesem Land Robbenprodukte importiert werden. 
 
Diese Ausnahmeregelung hätte den Zweck des Gesetzes ausgehöhlt. Es gibt aus Tierschutzsicht keine Anforderungen, die eine schmerz- und qualfreie Jagd gewährleisten können. 
Der EU-Binnenmarktausschuss sah dies ähnlich und sprach sich Anfang März 2009 für ein komplettes Verbot, lediglich mit Ausnahmeregelungen für von Inuit getötete Robben aus. 

 
 

Kanada klagt gegen Verbot

Inzwischen hat Kanada bei der Welthandelsorganisation (WTO) Klage gegen das von der Europäischen Union beschlossene Importverbot für Robbenprodukte eingereicht. Nach Ansicht der kanadischen Regierung verstößt das Importverbot gegen den freien Welthandel. Ob und wie sich das Verfahren auf die EU-Regelung letztlich auswirken wird, bleibt abzuwarten. Die EU hatte allerdings bereits während des Gesetzgebungsverfahrens mitgeteilt, dass das Verbot auch aus juristischer Sicht abgesichert sei.

 
  Mehr zu diesem Thema:
EU-Bericht zu Tierschutzaspekten der Robbenjagd
Kanada lässt Hunderttausende Robben abschlachten
Jagd auf Robben
Anti-Pelz-Kampagne
 
Pressemeldungen:
Tierschutzerfolg: EU stimmt mit großer Mehrheit für ein Robbenhandelsverbot (05.05.09)
EU-Parlament stimmt über Robbenhandelsverbot ab (04.05.09)
Bundesrat tagt zum Robbenhandelsverbot (06.11.08)
EU Kommission legt Vorschlag zum Robbenhandelsverbot vor (23.07.08)
EU-Handelsverbot für Robbenprodukte gefordert (01.07.08)
Bundestagsdiskussion zum Handelsverbot (21.04.08)
Kanadier starten erneut Robbenmord (11.03.08)
Entscheidung zu Handelsverbot  verschoben (13.02.08)
 
Downloads
Stellungnahme zum EU-Entwurf (24.09.08, PDF)
Stellungnahme zum nationalen Entwurf (12.06.07, PDF)
 
 

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