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Gegenargumente zu den Vorwürfen der Interessensgemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) und des Deutschen Bauernverbands |
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Liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde,
die von uns gestartete Kampagne gegen das betäubungslose Kastrieren von Ferkeln hat ein großes Echo und breite Unterstützung hervorgerufen. Wie aber zu erwarten, stößt unser Ferkelprotest bei den großen Interessensgruppen der agrarindustriell geprägten Schweinehaltung auf Widerstand. Mit haltlosen Vorwürfen haben sich die Interessensgemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) und der Deutsche Bauernverband gegen eine sofortige Änderung des Tierschutzgesetzes gestellt.
Der Deutsche Tierschutzbund bedauert, dass nicht der Dialog von Seiten der ISN gesucht wird. Es dient nicht den Tieren auf einen tierquälerischen Freibrief zu beharren.
Wolfgang Apel
Präsident des Deutschen Tierschutzbundes
Nachfolgend stellen wir die unhaltbaren Vorwürfe mit der fachlich korrekten Beurteilung gegenüber:
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Interessensgemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands ISN
Die ISN bezeichnet die Forderung des Deutschen Tierschutzbundes nach einer Kastration mit Betäubung als Schnellschuss:
Klarstellung: Die Kastration ohne Betäubung ist ein chirurgischer Eingriff, der den Tieren bei vollem Bewusstsein und bei vollem Schmerzempfinden zugemutet wird. Kein Mensch würde eine solche Qual seinem Hund oder seiner Katze zumuten. 22 Millionen Ferkel erleiden jährlich diese unbeschreibliche Qual.
Der Deutsche Tierschutzbund fordert seit Jahrzehnten, sich um Alternativen zu bemühen. Leider verhinderte das Tierschutzgesetz – das die betäubungslose Kastration legitimiert - die Entwicklung von Alternativen.
Nachdem die Bevölkerung in der Schweiz ihr eindeutiges Votum abgegeben hat, dass sie die Kastration ohne Betäubung auf das strengste verurteilt, wurde das Tierschutzgesetz der Schweiz geändert. Ein Verbot wurde für 2009 gesetzlich festgelegt und die Forschung um Alternativen wurde vorangetrieben. In der Zwischenzeit gibt es praxistaugliche Alternativen. Und deshalb gibt es für den Deutschen Tierschutzbund KEINEN vernünftigen Grund, das Tierleid nur einen Tag länger zu akzeptieren.
Die ISN fordert einen einheitlichen Europäischen Weg:
Klarstellung: In Norwegen ist das Verbot der betäubungslosen Kastration rechtskräftig. In den Niederlanden hat sich der Handel verpflichtet, dass ab 2009 kein Fleisch mehr verkauft wird, das von Schweinen stammt, die als Ferkel betäubungslos kastriert wurden. Auch im Europäischen Parlament und deren Gremien wird seit längerer Zeit über dieses Tierschutzproblem und dessen Abschaffung diskutiert.
Erfahrungen zeigen, dass es bei europäischen Gesetzgebungsverfahren immer einige Mitgliedsstaaten braucht, welche Vorreiterrollen übernehmen. Norwegen und die Niederlande haben diese Rolle schon eingenommen, wenn Deutschland folgt, steht einer EU-weiten Regelung nichts mehr im Weg.
Die ISN behauptet, für sämtliche NEULAND-Betriebe gebe es nur ein einziges Betäubungsgerät, das von einem Sauenbetrieb zum nächsten transportiert werde und das Verfahren damit seuchenhygienisch mehr als fragwürdig sei:
Klarstellung: Hier ist die ISN leider nicht korrekt informiert. Es gibt vier Geräte, die im Einsatz sind. Jedes Gerät wird nur von einem Tierarzt bedient. Nach jedem Einsatz wird das Gerät vollständig gereinigt und desinfiziert. Alle Teilstücke, die mit dem Tier in Berührung kommen, sind in mehrfacher Ausführung vorhanden. Alle Anforderungen an einen seuchenhygienisch einwandfreien Umgang sind gegeben.
Die ISN behauptet, bei Isofluran bestehe außerdem noch reichlich Klärungsbedarf. Und die Wirksamkeit als Schmerzmittel sei noch nicht ausreichend geklärt:
Klarstellung: Wissen Sie, mit welchem Narkosegas Sie in der Klinik betäubt werden, wenn Sie sich zum Beispiel einer Blinddarmoperation unterziehen müssen? ISOFLURAN.
Isofluran wird seit den 80er Jahren in der Humanmedizin eingesetzt und seit den 90er Jahren in der Tiermedizin. Isofluran ist ein gängiges Narkosegas. Den angegebenen Klärungsbedarf gibt es nicht.
Auch die Frage nach der Wirksamkeit als Schmerzmittel ist geklärt – lesen Sie die Packungsbeilage!
Während der Narkose mit Isofluran spüren die Ferkel keinen Schmerz. Nach dem Absetzen der Narkose beginnen so genannte postoperative Schmerzen (Schmerzen nach der Operation). Hier hat Isofluran keinen Einfluss mehr. Deshalb erhalten alle Ferkel, die auf NEULAND-Betrieben nach dieser Methode unter Betäubung kastriert werden, zusätzlich ein Schmerzmittel (Metacam).
Die ISN behauptet, zudem stelle die Inhalationsnarkose auch noch ein deutliches Risiko des Erdrückens durch die Muttersau dar:
Klarstellung: Auch hier können wir der ISN beim Schließen ihrer Wissenslücke helfen. Eine gute Narkose stellt sich wie folgt dar: eine schnelle und ruhige Einschlafphase; eine tiefe Bewusstlosigkeit, in der operiert wird; eine schnelle und ruhige Aufwachphase nach Absetzen der Narkose.
Die Ferkel schlafen unter der Verwendung der Isofluran-Narkose innerhalb von ca. 50 -70 Sekunden ein; nach Absetzen der Narkose bis zum Zeitpunkt, zu dem die Ferkel wieder bei vollem Bewusstsein sind, dauert es 120-300 Sekunden. Danach verhalten sich die Ferkel wieder absolut normal und ihr Reaktionsvermögen ist nicht eingeschränkt. Es gibt keine Untersuchung und keinen Hinweis aus der Praxis darauf – und keinen vernünftigen Grund für die Annahme- dass die Gefahr des Ferkelerdrückens bei Anwendung dieser Narkose erhöht sein könnte.
Die ISN behauptet, das Ergebnis sei ernüchternd: Weder die verschiedenen Verfahren der Betäubung und der Schmerzbehandlung noch mögliche Alternativen zur bisherigen Kastration, wie z.B. die Impfung gegen Ebergeruch (Immunkastration) seien in absehbarer Zeit praxistauglich einsetzbar.
Klarstellung: Die Narkose mit Isofluran – einem modernen Narkosegas – und einer Schmerzbehandlung mit Methacam entspricht allen Anforderungen an eine tierschutzkonforme Narkose. Das in der Schweiz entwickelte Gerät mit der Doppelmaske und einem Filter sorgt für Arbeitssicherheit und Umweltverträglichkeit. Diese Methode ist ab sofort anwendbar und wird in der Schweiz schon angewendet.
Das Arzneimittel zur Durchführung der Immunokastration hat u.a. eine Zulassung in der Schweiz erhalten und wird auch dort auf einigen Betrieben bereits angewendet. Dieses Mittel stünde als Alternative ebenfalls parat. In Deutschland und Europäischen Union ist dieses Mittel jedoch nicht zugelassen und darf in Deutschland nicht eingesetzt werden. Mit einer Zulassung wird frühestens 2009 gerechnet.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Es gibt heute eine Alternative zur qualvollen Ferkelkastration. Für den Deutschen Tierschutzbund und für NEULAND gibt es deshalb keinen Grund auf MORGEN oder ÜBERMORGEN zu warten. Wir fordern: die Änderung des Tierschutzgesetzes und das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration.
Es handelt sich um eine berechtigte Forderung des Deutschen Tierschutzbundes, die bei allen Novellierungen des Tierschutzgesetzes in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten fundiert in das Gesetzesverfahren eingebracht wurde!
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Deutscher Bauernverband
Der Deutsche Bauernverband behauptet, in bisherigen Gesprächen zwischen Deutschen Tierschutzbund und Bauernverband habe Einigkeit bestanden, dass man das Ziel verfolge, auf die Kastration gänzlich zu verzichten:
Klarstellung: Das Ziel des Deutschen Tierschutzbundes ist es auf Tierleid zu verzichten. Die Ebermast, also die Mast unkastrierter Eber, ist aus Tierschutzsicht nach wie vor das Langzeitziel, auch wenn bisherige Gespräche mit dem Bauernverband zu diesem Thema spärlich gesät waren. Denn dann wüsste der Bauernverband, dass der Deutsche Tierschutzbund sich keineswegs mit „Hinhaltepolitik“ begnügt.
U.a. die von Bauernverband erwähnte Pigcas-Studie zeigt, dass der westeuropäische Konsument sehr sensibel ist gegen Geschmacks- und Geruchsabweichungen des Fleischs. NEULAND hatte in der Vergangenheit dazu eine Feldstudie mit Verkostung von Eberfleisch in NEULAND-Metzgereien durchgeführt und kam zum gleichen Ergebnis.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es leider keine Möglichkeit, um geschmacksverändertes Fleisch am Schlachtband herauszufinden. Und dies wäre notwendig, damit der vollständige Verzicht auf Kastration möglich wäre. Als Langzeitziel ist dies auch realistisch. Die Ebermast hätte außerdem noch einen anderen positiven Effekt: die restriktive tierquälerische Haltung auf engstem Raum und auf Vollspaltenboden, wäre bei der Haltung von lebhaften und sehr bewegungsaktiven Ebern nicht mehr möglich. Sobald es die Möglichkeit gibt, vollständig auf die Kastration zu verzichten, werden wir den Bauernverband an seine Worte erinnern.
Bis dahin sollten wir das Leid, das 22 Millionen Ferkel durch die Kastration ohne Betäubung zugemutet wird, verringern. Hierfür stehen Alternativen zur Verfügung, es gibt kein Grund, zu warten. Der Deutsche Tierschutzbund wiederholt seine Forderung nach einem längst überfälligen gesetzlichen Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration und bietet nach wie vor dem Deutschen Bauernverband - wie am 6. Mai öffentlich dargelegt – in dieser Frage einen zielführenden Dialog an.
Der Deutsche Bauernverband behauptet, Isofluran sei toxisch und deshalb sei Isofluran in Deutschland nicht zugelassen:
Klarstellung: Isofluran ist ein modernes Narkosemittel, das täglich in der Humanmedizin in Kliniken sowie in allen Bereichen der Tiermedizin verwendet wird. Es ist für sehr viele Tierarten zugelassen. Auch beim Schwein darf Isofluran vom Tierarzt eingesetzt werden. Dass es noch keine Zulassung als Arzneimittel für Schweine erhalten hat, liegt ausschließlich darin begründet, dass die Hersteller bisher keinen Antrag auf Zulassung für die Tierart Schwein gestellt haben. Denn das Zulassungsverfahren ist für den Hersteller teuer. Und solange die betäubungslose Kastration auch nach dem Tierschutzgesetz erlaubt ist, haben die Hersteller keinen Absatz für ihr Produkt gesehen, denn bisher wurde an der Betäubung gespart, d.h. verzichtet!
Der Deutsche Bauernverband behauptet, durch die längere Behandlung der Ferkel bei der vom Deutschen Tierschutzbund und NEULAND vorgestellten Gasbetäubung werde zusätzlicher Stress für die Ferkel erzeugt:
Klarstellung: Die gesamte Zeitdauer verlängert sich um nicht einmal 2 Minuten! Die Tiere werden in Narkose gelegt. Die Narkoseeinleitung ist sehr sanft, die Tiere schlafen schnell und ruhig ein. Die Ferkel sind während der gesamten Operation (Kastration) in einem tiefen Schlaf. Es ist kein Schmerzschrei zu hören, die Ferkel zappeln nicht, die Mütter der Ferkel werden nicht durch das Geschrei ihrer Jungen in Panik versetzt. Der Tierarzt arbeitet ruhig. Es kommt zu keinen zusätzlichen Gewebseinrissen, die bei der konventionellen – betäubungslosen – Kastration alltäglich zu sehen sind. Die Durchführung der Narkose mit Isofluran ist mit Hilfe der Entwicklung eines transportablen Gerätes auch auf den Betrieben möglich. Die praxistaugliche Alternative ist also vorhanden, NEULAND setzt diese Alternative ein.
Der Deutsche Bauernverband behauptet, die Narkose verhindere nicht den Wundschmerz, im Gegenteil sie verlängerte ihn sogar:
Klarstellung: Eine Narkose kann keinen Einfluss auf den Wundschmerz und die Wundheilung nach dem operativen Eingriff haben. Allerdings hat die Durchführung einer Operation durchaus einen Einfluss auf die Wundheilung. Glatte Schnitte – ohne zusätzliche Gewebseinrisse – führen zu einer schnelleren Heilung. Es ist selbstredend, dass eine präzise Schnittführung in einem ruhigen Zustand unter Narkose einfacher und besser durchzuführen ist. Um die Schmerzen nach dem Eingriff abzudecken erhalten die Ferkel auf allen NEULAND-Zuchtbetrieben zusätzlich ein Schmerzmittel.
Der Deutsche Bauernverband weist darauf hin, dass die Betäubung der Ferkel nur Tierärzte vornehmen dürften. Neben hohen Gerätekosten kämen deshalb für den Schweinehalter auch zusätzliche Tierarztkosten hinzu. Die Kosten müssten über die Lebensmittelkette an den Verbraucher weitergegeben werden:
Klarstellung: Auf allen NEULAND-Betrieben werden die Ferkel von einem Tierarzt kastriert. Die Kostenberechnung liegt bei ca. 2-3 Euro Mehrkosten pro Ferkel, umgerechnet auf das Schlachtschwein wäre das ungefähr 5 cent pro KG. Fragen wir den Verbraucher? Unsere Umfrage wird es zeigen, bisher wurde an der Betäubung gespart – der Verbraucher wird uns unterstützen und nicht am Protest sparen – www.ferkelprotest.de
Der Deutsche Tierschutzbund erwartet auch vom Handel die zusätzlichen Kosten der Landwirte zu honorieren. Entsprechende Gespräche werden vom Deutschen Tierschutzbund bereits geführt. Die europäischen Nachbarn machen es uns vor. In den Niederlanden hat der Handel bereits zugesagt, ab dem 1. Januar 2009 keine Produkte von Schweinen mehr anzubieten, die als Ferkel ohne Betäubung kastriert wurden.
Daher erwartet der Deutsche Tierschutzbund vom Deutschen Bauernverband Weitsicht statt einseitiger und unbegründeter Kritik!
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