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Pressemeldung Februar 2008 |
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19.02.08Alternativen zu TierversuchenWie das Wissenschaftsmagazin Science berichtet, soll in den USA neben dem IT- und Umweltsektor nun auch die so genannte in vitro-Toxikologie als Zukunftstechnologie massiv vorangetrieben werden. Mittels dieser lässt sich die Giftigkeit von Stoffen und Produkten im Reagenzglas erforschen. Die konventionelle Toxikologie hingegen setzt immer noch auf Tierversuche. EU-Kommission und Bundesregierung sind jetzt aufgefordert, endlich ihr Versprechen einzulösen, mehr für die Abschaffung von Tierversuchen zu tun. Das würde neben dem Tierschutz auch den Forschungsstandort Europa stärken.
Wenn das weltweit wichtigste Wissenschaftsjournal Science US-Behördenvertretern zwei Seiten ihrer aktuellen Ausgabe widmet[1], muss es sich um etwas Besonderes handeln. Und in der Tat kommt es einer Revolution gleich, dass sich die wichtigsten Forschungsinstitutionen der USA in einer gemeinsamen Presseerklärung[2] zu einem - so wörtlich – „Paradigmenwechsel in der Toxikologie“ bekennen: weg von veralteten, aufwändigen und wissenschaftlich wie ethisch hoch umstrittenen Tierversuchen hin zu modernen Testverfahren auf der Basis von Zellen und deren molekularen Bestandteilen.
In einer gemeinsamen Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) haben sich das National Toxicology Program (NTP) das NIH Chemical Genomics Center (NCGC) und die U.S. Environmental Protection Agency (EPA) darauf geeinigt, in den kommenden Jahren ihre entsprechenden Forschungsanstrengungen zu bündeln – insbesondere auch mit der Zielsetzung, das Leiden von Tieren in der Substanzprüfung zu beenden oder zumindest zu vermindern.[3] Über diese Initiative berichtet Science ausführlich.
„Es freut uns, dass man auch jenseits des großen Teiches endlich die Zeichen der Zeit erkannt hat“, kommentiert Brigitte Rusche, Leiterin der Akademie für Tierschutz in Neubiberg und Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes. „Im Zellkulturlabor der Akademie für Tierschutz arbeiten wir seit mehr als 20 Jahren auf genau dieser Grundlage und haben uns - trotz wissenschaftlicher Anerkennung - immer wieder in der Rolle des einsamen Rufers in der Wüste wieder gefunden, wenn wir an Behörden und Politiker herangetreten sind. Wir können nur hoffen, dass die aktuellen Entwicklungen in den USA auch bei uns nicht ohne Konsequenzen bleiben.“ Die Forschungsförderung der EU und der Bundesregierung für Alternativen zu Tierversuchen müsse aufgestockt bzw. umverteilt werden. Es könne nicht sein, dass in Zeiten, in denen die EU ein gewaltiges Chemikalientestprogramm (REACH) durchführen will, gleichzeitig dem dafür zuständigen EU-Zentrum (ECVAM[4], European Centre for the Validation of Alternative Methods) das Budget gekürzt werde. Die wichtigste Institution zur Forschungsförderung in Deutschland, die DFG, stecke beispielsweise zwar Millionen in Affenversuche, wie sie seit Mitte des letzten Jahrhunderts nahezu unverändert durchgeführt werden, hielte es aber nicht für notwendig, einen Förderschwerpunkt für Alternativmethoden zu Tierversuchen einzurichten, obwohl der Deutsche Tierschutzbund dies seit den 90er Jahren fordere.
„Jahrelang haben uns konservative Toxikologen belächelt. Mit markigen Sprüchen wie ‚eine Zelle hat keinen Schnupfen’ wurden immer wieder Bemühungen, Tierversuche durch Alternativen zu ersetzen, torpediert. Jetzt können wir hoffen, dass diese rückwärtsgerichtete Blockadehaltung endgültig als solche entlarvt ist und den Fortschritt nicht länger aufhalten wird. Denn dieser hilft nicht nur den Tieren, sondern auch Mensch und Umwelt“, so Rusche abschließend.
[1] Science Ausgabe 319 vom 15. Februar 2008, S. 906-907
[2] www.epa.gov/NCCT/articles/files/EPA_pressrelease.pdf
[3] www.epa.gov/NCCT/articles/files/ntpncgcepamou.pdf
[4] ecvam.jrc.cec.eu.int/index.htm
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Weitere Infos:
2.518.267 Wirbeltiere wurden laut aktueller Statistik des Bundesministeriums im Jahr 2006 für Versuche und andere wissenschaftliche Zwecke verwendet.
Die USA waren bislang als „Hardliner“ im Tierversuchsbereich bekannt. Das Kürzel der US-Gesundheitsinstitute (National Institutes of Health, NIH) war schon zum Synonym für das Standardargument geworden, mit dem die USA immer wieder europäische Initiativen zur Reduzierung von Tierversuchen torpediert hatten: „not invented here“ („nicht hier erfunden“). Auch noch so umfangreiche wissenschaftliche Dossiers wurden von den Toxikologen der US-Behörden in Zweifel gezogen. Nahezu jede Alternativmethode, die in der EU wissenschaftlich und behördlich aufwändig geprüft und anerkannt wurde, kam in den USA erneut auf den Prüfstand. Mit der Folge, dass sich die Anwendung dieser Methoden nicht nur in den USA, sondern auch seitens internationaler Organisationen wie der OECD jahrelang verzögerte, und sich das Leiden von Millionen Versuchstieren weltweit damit unnötig fortsetzte.
In der Akademie für Tierschutz setzen sich engagierte Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus den Bereichen Biologie, Tiermedizin und Recht fundiert mit den Tierschutzproblemen unserer Gesellschaft auseinander. Auf dem Gebiet der Alternativmethodenforschung genießt die Akademie für Tierschutz großes Ansehen - auch weltweit.
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