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Pressemeldung Januar 2008

 
 

29.01.08

Münchener Zoo bemüht sich um Eisbärennachzucht – Deutscher Tierschutzbund fordert: Zootierhaltung gehört auf Prüfstand

Aktuellen Presseberichten zufolge forciert der Münchener Tierpark Hellabrunn seine Pläne Eisbären-Nachwuchs zu züchten. Demnach soll der Eisbär „Yoghi“ mit einer Eisbärin aus einer italienischen Haltung im Zoo verpaart werden. Der Deutsche Tierschutzbund übt scharfe Kritik, da bereits die Todesfälle in den Zoos in Nürnberg, München und in Bremerhaven gezeigt hätten, dass eine Nachzucht von Eisbären in Gefangenschaft nicht zu verantworten sei. „Hier wird allein aus Marketinggesichtspunkten entschieden. Der Münchener Zoo möchte – so wie der Zoo Berlin mit Knut und der Nürnberger Tiergarten mit Flocke - einen Besuchermagneten; das Tierwohl spielt keine Rolle“, so Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.
 
Auf die Haltung und Nachzucht von Eisbären in der Zoo—Gefangenschaftshaltung muss verzichtet werden. Das gelte für alle Zoos, so der Deutsche Tierschutzbund. Der Verband forderte in einem Schreiben an den Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer die Bundesregierung auf, die Anforderungen der EU-Zoorichtlinie nach artgerechter Tierhaltung in Zoos konsequent umzusetzen. Dies bedeute, dass die Zucht von Wildtieren, die nicht artgerecht in Gefangenschaft gehalten werden können, generell zu unterbinden sei.
 
Auch der Münchener Zoo habe mit der Grundsatzentscheidung, Eisbären zu halten und zu züchten, einen Irrweg eingeschlagen. „Eisbären gehören prinzipiell in keinen Zoo, da sie dort nicht ihren elementaren Bedürfnissen entsprechend gehalten werden können. In München werden vollkommen falsche Zeichen gesetzt - dies ist ein weiteres Todeszuchtprogramm“, so Apel. Er fordert den Dachverband der Zoodirektoren auf, im Hinblick auf die Haltung von Wildtieren einen Weg einzuschlagen, der mit Tierschutz und Ethik einer Kultur des  21. Jahrhunderts vertretbar sei. In diesem Zusammenhang stimme es traurig, dass gerade in öffentlich-rechtlichen Fernsehformaten, den Zoo Doku-Soaps, hemmungslos Wildtiere zu Streicheltieren degradiert – und damit der tierquälerischen Haltung das Wort geredet würde.
 
Eisbären haben in der freien Wildbahn einen Aktionsradius im Kilometerbereich, während die vorgegebenen Käfiggrößen im Zoo bei wenigen Quadratmetern liegen. Selbst die größten Außengehege in Zoos seien im Vergleich hierzu nur winzige Gefängnisse, die den natürlichen Bewegungsdrang der Tiere extrem einschränken. Die Tiere leiden oftmals unter Langeweile und den Haltungsrestriktionen. Sie entwickeln nicht selten Verhaltensstörungen, so genannte Stereotypien. Es sei verantwortungslos, Nachzucht zu betreiben, wenn unter anderem nicht geklärt sei, was mit den Jungtieren später geschehen solle, stellt der Deutsche Tierschutzbund klar. Aus Sicht des Verbandes muss die Haltung von Eisbären in Zoos schnellstmöglich auslaufen.

 
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