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Pressemeldungen November 2006

 
 

03.11.06

Gemischte Bilanz: 125 Jahre Deutscher Tierschutzbund

Vor dem Festakt „Tierschutz bewegt: 125 Jahre Deutscher Tierschutzbund“ (heute, ab 19:00 Uhr in den Räumen des Tierheims Berlin, Hausvaterweg 39) zieht der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel, eine gemischte Bilanz: „Es muss uns alle nachdenklich stimmen, dass es heute, nach 125 Jahren den Deutschen Tierschutzbund, noch geben muss.“
 
1881 trafen sich Vertreter der Tierschutzvereine in Wiesbaden zur Gründung des Deutschen Tierschutzbundes, der damals noch "Verband der Tierschutzvereine des Deutschen Reiches" hieß. Heute ist der Deutsche Tierschutzbund mit mehr als 700 Mitgliedsvereinen, über 500 vereinseigenen Tierheimen und 800.000 organisierten Tierschützerinnen und Tierschützer größer als jede politische Partei in Deutschland und zugleich auch Europas größte Tier- und Naturschutzorganisation.
 
Auch wenn sich die wichtigen Tierschutzherausforderungen der Gründungszeit von heute qualitativ und quantitativ unterscheiden, die Stichworte sind geblieben: Vor über hundert Jahren ging es schon um Themen wie Tiertransporte, Vogelschutz, Kettenhunde oder Gänsemast, Kastrationen, Hunderennen und Stierkampf. Tiere dienten oft als Zug- und Arbeitstiere – so protestierte der Deutsche Tierschutzbund gegen den Missbrauch von Grubenpferden, Hunde- und Pferdegespannen. Die ersten systematischen Tierversuche kamen auf. Seit Mitte des vorherigen Jahrhunderts werden Tiere in der Landwirtschaft systematisch vermehrt und auf Leistung gezüchtet, um mehr Milch und Fleisch zu liefern.
 
Der Tierschutz kann trotzdem eine Erfolgsbilanz ziehen. Das Staatsziel Tierschutz, das Ende der Subventionen für Schlachttiertransporte in EU-Drittstaaten und vor allem mehr Sensibilität der Öffentlichkeit gegenüber dem Mitgeschöpf Tier sind nur ein paar der wichtigsten Schlagworte. Aber auch der heutige Beschluss des Bundesrates zur rechtsverbindlichen Vorschrift bei der Haltung von Pelztieren ist ein Meilenstein, auch wenn das Verbot der Haltung das langfristige Ziel bleiben muss. „Diese Erfolge heißen aber nicht, das wir uns ausruhen können, der Kampf muss weitergehen“, so Apel.
 
Besonders in punkto Legehennenhaltung verurteilt Apel die Rücknahme des Käfigverbotes durch Bundesrat und Bundesregierung. Auch in anderen Bereichen der landwirtschaftlichen Tierhaltung sei noch immer ein Hang zur Industrialisierung zu verzeichnen. Dieser gehe letztlich zu Lasten der Tiere und damit auch der Verbraucher.
 
Apel nutzt das Jubiläum auch als Anlass, um den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern zu danken. Das bürgerschaftliche Engagement im Tierschutz hat einen fiskalischen Gegenwert von über einer halbe Milliarde Euro jährlich, errechnete der Deutsche Tierschutzbund.
 
„Die Fakten zeigen, wie wichtig es ist, die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu verbessern, damit es gar nicht erst zu Tierschutzproblemen kommt“, bilanziert Apel.
 
Schirmherr der Jubiläumsfeierlichkeiten „Tierschutz bewegt: 125 Jahre Deutscher Tierschutzbund“ ist Bundespräsident Horst Köhler. Die Schirmherrschaft unterstreicht die wichtige Funktion des Tierschutzes in der Gesellschaft und würdigt das Engagement des Deutschen Tierschutzbundes.
 
Neben der Unterstützung der ihm angeschlossenen Vereine leistet der Deutsche Tierschutzbund auch in eigenen Einrichtungen praktische Tierschutzarbeit. Der Dachverband legt damit die wissenschaftlichen Grundlagen für den Tierschutz insgesamt. So setzen sich in der Akademie für Tierschutz in Neubiberg Wissenschaftler aus den Bereichen Biologie, Tiermedizin und Recht seit zwei Jahrzehnten mit den Tierschutzproblemen in der Gesellschaft national und international auseinander. In Seminaren werden Tierschützerinnen und Tierschützer für ihre Arbeit weitergebildet.
 
Das Tier-, Natur- und Jugendzentrum in Weidefeld bei Kappeln (Schleswig–Holstein) mit dem angeschlossenen Artenschutzzentrum Sylt verbindet die praktische Nothilfe für Tiere mit der Forschung. Die Erfahrungen bei der Reinigung verölter Seevögel, der Pflege verletzter Greifvögel oder bei der Erziehung verhaltensauffälliger Hunde werden dokumentiert und ausgewertet. So wird sichergestellt, dass Tierschutzmethoden verbessert und Erkenntnisse an Tierschutzvereine weitergeben werden - zum Wohle der Tiere.
 
In seinem Auslandsprojekt in der Ukraine hat der Deutsche Tierschutzbund ein Zufluchtsort für Tausende von Tieren in Not geschaffen: Das Tierheim und Kastrationszentrum von Odessa setzt Akzente im aktiven Auslandstierschutz nach dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“. Im Anholter Bärenwald® betreut der Deutsche Tierschutzbund Braun- und Kragenbären, die aus qualvoller Haltung befreit wurden.
 

 
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