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Hüter der Nashornvögel

 
 

Erschienen in: du und das tier 6/2004, Seite 36 - 37. (pdf-Version)

Seit 1996 sorgen sich Artenschützer um den Erhalt des letzten Regenwaldes auf Panay

Die Philippinen beheimaten auf ihren gut 7.100 Inseln ein weltweit einmaliges Artenspektrum. Viele Tierformen gibt es nirgendwo sonst. Da die Tiere einen sehr kleinen Lebensraum haben, an den sie sich ideal angepasst haben, sind sie meist sofort vom Aussterben bedroht, wenn sich ihr Umfeld ändert. Dies gilt u. a. für die hoch spezialisierten Hornvögel. Besonders dramatisch ist die Situation für den hühnergroßen Korallenschnabel- Hornvogel, der nur noch auf den Inseln Panay und Negros vorkommt. Von diesem prachtvollen Vogel existieren kaum noch sechzig brutfähige Paare. Er gehört damit zu den am meisten bedrohten Tieren der Erde. Eine kleinere Art, die in dieser Region ebenfalls vorkommt, ist der krähengroße Tariktik. Den Bestand dieser Hornvogelart schätzen die Experten immerhin noch auf 500 Paare.

Raubbau am Wald gefährdet Menschen und Tiere

Einst waren die Philippinen mit Regenwäldern bedeckt. In den letzten hundert Jahren aber haben die Einheimischen die Wälder für die Landwirtschaft und für den – z.T. illegalen – Export der Edelhölzer gerodet. Auf den Philippinen leben heute über 80 Millionen Menschen. Die Bevölkerung wächst rasant, und die Hälfte der Einwohner dürfte unter 15 Jahre alt sein. Dass die Menschen ernährt werden wollen und Siedlungsraum brauchen, steht außer Frage. Doch durch Raubbau an der Natur und versäumte Wiederaufforstung existieren heute nur noch 18% des ursprünglichen Waldbestandes. Die Folgen für Mensch und Natur sind verheerend. Beinahe jährlich wird das Land von Erdrutschen und Flutkatastrophen heimgesucht. Über zehntausend Philippinos haben dabei in den letzten Jahren ihr Leben verloren.

Hornvögel sorgen für neue, junge Wälder

Mit der Dezimierung des Waldes wird auch der Lebensraum für die Hornvögel immer weiter zerstört, denn die Vögel ernähren sich von den Früchten der Bäume und nutzen zum Nisten Höhlen in den Stämmen alter Urwaldriesen. Da sie die Samen der gefressenen Baumfrüchte an anderer Stelle ausscheiden, tragen sie zur Verbreitung der Bäume und Waldverjüngung bei und könnten bei der Neubewaldung von Brachflächen helfen. Doch statt die Tiere zu schützen, werden sie bejagt oder eingefangen. Zur Rettung der Hornvögel hat der renommierte Bochumer Verhaltensbiologe Eberhard Curio 1995 das Artenschutzprojekt PESCP (Philippine Endemic Species Conservation Project) gegründet. Curio und sein Team operieren hauptsächlich von einer Forschungsstation im Nordwesten der Insel Panay aus, mitten in einem der letzten noch intakten Regenwaldgebiete der Philippinen. Anfangs ging es vor allem darum, möglichst schnell das Verhalten der Tiere sowie deren Lebensräume zu erforschen. Die Forschung musste sich nicht nur auf die Hornvögel, sondern auf die gesamte Tierund Pflanzenwelt auf Panay erstrecken. Dabei haben die Wissenschaftler sogar 45 neue Tierarten entdeckt oder dort neu nachgewiesen, darunter den Panay-Waran und eine Taubenart. Ohne eine solche Grundlagenforschung sind Artenschutzprojekte nicht möglich. Das haben zum Beispiel die Erfahrungen mit den großen Nationalparks in Afrika gezeigt. Bei deren Einrichtung war nichts über die Wanderung der Tiere bekannt, so dass auch niemand einkalkuliert hatte, dass sie sich über die Grenzen der Parks hinausbewegen und dort erneut schutzlos sein würden.

Artenschutz funktioniert nur mit den Einheimischen

Inzwischen unterhält das PESCP zwei kleinere Vogelstationen, in denen beschlagnahmte oder verletzte Tiere aufgenommen und medizinisch versorgt werden. Dank des guten Forschungsstandes konnten einige Vögel bereits ausgewildert werden. Derzeit befinden sich noch etwa 15 Hornvögel und einige ebenfalls sehr seltene Greifvögel in den Stationen. Um die Tiere und ihre Lebensräume zu schützen, müssen die PESCP-Mitarbeiter die Einheimischen einbeziehen. Sie müssen den Philippinos neue Einkommensquellen erschließen und das Bewusstein für Artenschutz schärfen. Nicht leicht, denn in den lokalen Sprachen gibt es nicht einmal ein Wort für „Aussterben“. Die Umweltlehrer und Helfer, die in die Regionen entsandt werden, haben jedoch zunehmend Erfolg, zumal sie auch darüber informieren, wie mit dem Anbau von Ingwer, Manilahanf oder Tigergras Geld zu verdienen ist. In einigen Fällen wurden ehemalige Wilderer und Jäger sogar zu Wildhütern umgeschult, um die Nester der Hornvögel zu bewachen. Aufgrund der guten Vorarbeit des PESCP hat sich auch die Europäische Union mit einem Forschungsprojekt in Panay engagiert. Ziel ist die dauerhafte Etablierung von Nutzwäldern, die der Bevölkerung als Einnahmequelle dienen können, ohne dem Regenwald zu schaden. Die Nutzwälder werden in Pufferzonen zwischen gerodeten Flächen und verbliebenem Regenwald angepflanzt.

Erste Erfolge lassen die Hoffnung wachsen

Dass die Arbeit des PESCP auch bei der philippinischen Regierung immer mehr auf Akzeptanz stößt, zeigt die Tatsache, dass der Regenwald in Nordwest-Panay, wo das PESCP seinen Hauptsitz hat, im April 2002 zum Schutzgebiet erklärt wurde. Allerdings unternehmen die Behörden auf lokaler Ebene wenig gegen illegale Holzfäller oder Wilderer. Im April dieses Jahres hatten Wilderer Patronenhülsen und geschossene Nashornvögel nahe der PESCP-Station aufgereiht, um die Mitarbeiter des Projektes einzuschüchtern. Auf der Nachbarinsel Negros sah sich eine andere Organisation im Februar sogar einem blutigen Scharmützel zwischen Rebellen und Militär ausgesetzt. Weder auf Panay noch auf Negros aber wollen sich die Artenschützer einschüchtern lassen. Im Gegenteil, auf Panay hat das Team von Professor Curio bereits weitere Regionen erkundet, die ähnlich gute Ansatzpunkte für den Artenerhalt bieten wie der Nordwesten. Um ein möglichst dichtes Schutznetz über die Insel zu spannen und den Tieren die bestmögliche Chance für ein Überleben zu bieten, sollen in diesen Gebieten neue PESCP-Stützpunkte eingerichtet werden. Die Arbeit geht weiter. Jetzt erst recht

Informationen

Wer mehr über das Philippine Endemic Species Conservation Project (PESCP) erfahren oder das Projekt unterstützen möchte, kann sich direkt an dessen Leiter, Herrn Prof. Dr. Eberhard Curio, wenden:
 
Conservation Biology Unit,
Fakultät für Biologie,
Ruhr-Universität Bochum,
44780 Bochum,
Fax: 0234 32-14472
eberhard.curio (at) rub.de oder
Ecurio (at) gmx.de.
 

 
  Mehr zu diesem Thema:
Downloads
Hüter der Nashornvögel, erschienen in dudt 6/2004 (pdf)
 
Wildtiere
 
 

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