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Verschwundene Katzen - Wo sind sie geblieben? |
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Der Beitrag erschien in du und das tier 2/2004, S. 8f.
Viele Tierhalter befürchten, ihre Katze könnte gestohlen werden und in Tierversuchen enden. Der Deutsche Tierschutzbund setzt sich zwar seit Jahren dafür ein, dass Tierversuche durch Methoden ersetzt werden, für die keine Tiere leiden oder sterben müssen. Doch nach wie vor werden auch in deutschen Labors Versuche an Katzen durchgeführt. Die Rechtslage ist eindeutig: Dem Deutschen Tierschutzgesetz zufolge dürfen seit 1986 grundsätzlich nur Wirbeltiere zu Versuchen verwendet werden, die eigens für diesen Zweck gezüchtet wurden. Versuchskatzen dürfen nur aus Versuchstierzuchtbetrieben und institutsinternen, von den zuständigen Behörden zugelassenen Zuchten bezogen werden. Wissenschaftler, die Versuche an Katzen durchführen wollen, müssen die Genehmigungs- Behörde über die Herkunft ihrer Tiere informieren. Jedes Institut, das Tierversuche durchführt, muss einen „Tierschutzbeauftragten” beschäftigen, der prüfen muss, ob die Herkunft der verwendeten Versuchstiere mit den gesetzlichen Bestimmungen übereinstimmt.
Auch in den anderen Mitgliedsstaaten der EU dürfen nur „zweckgezüchtete” Katzen zu wissenschaftlichen Zwecken verwendet werden. Trotz dieser gesetzlichen Bestimmungen und der Kontrollinstanzen kann nicht ausgeschlossen werden, dass durch kriminelle Machenschaften eventuell doch gestohlene Hauskatzen im Labor enden. Bislang konnten dafür jedoch keine Beweise vorgelegt werden. Deutsche Labore und Institute versicherten dem Deutschen Tierschutzbund, nur mit zweckgezüchteten Tieren aus kontrollierten Zuchten zu experimentieren und eine Kontrolle der Tätowierung sowie Chipsondierung vorzunehmen.
Die meisten Vermissten-Fälle lassen sich erklären
Dass der Deutsche Tierschutzbund dafür kämpft, auch eigens dafür gezüchteten Tieren den Versuch zu ersparen, ist selbstverständlich. Die vielen vermissten Katzen können jedoch auf keinen Fall damit erklärt werden, dass diese Tiere in Tierversuchen gelandet seien. Der Statistik der Bundesregierung zufolge werden jährlich „nur” rund 850 Katzen in Deutschland zu wissenschaftlichen Zwecken verwendet. Die Gerüchteküche brodelt dennoch. Schließt man die Verwendung von Katzen in deutschen Laboren aus, bleibt die Befürchtung, gestohlene Tiere würden ins Ausland verfrachtet. Den Nachweis dafür konnte bisher jedoch niemand erbringen.
Für das Verschwinden von Katzen kann es viele Gründe geben. Vor allem im Frühjahr sind Katzen gerne auch länger unterwegs. Dass ein Kätzchen sich selber ein neues Zuhause sucht, kommt gar nicht selten vor. Unzählige Tiere werden als Verkehrsopfer von der Straßenreinigung eingesammelt. Ihre Besitzer erfahren nie, was ihrem Tier zugestoßen ist. Hunderttausende Katzen werden von Jägern erschossen. 17.895 erschossene Katzen meldete der Deutsche Jagdschutzverband für die Jagdsaison 2002/2003 allein für Nordrhein- Westfalen. Diese Abschusszahlen wurden von Jägern freiwillig gemeldet.
In den Tierheimen leben unzählige Fundkatzen, nach denen sich nie jemand erkundigt. Wenn sie gekennzeichnet und im Deutschen Haustierregister angemeldet sind, haben Fundtiere eine gute Chance, zu ihrem Besitzer zurückzukommen. Doch viele Halter haben ihr Tier nicht kennzeichnen lassen und im Deutschen Haustierregister angemeldet, andere kommen nicht auf die Idee, im Tierheim zu suchen.
Die meisten Gerüchte sind nicht zu verifizieren
Und die Gerüchteküche brodelt weiter. Solange der Jagdgebrauchshundeverband den „Härtestrich” anerkennt, wenn ein Hund in Gegenwart eines autorisierten Richters „aus Versehen“ eine Katze erwischt, ist der Verdacht, diese Situation sei von Jägern bewusst herbeigeführt und für das Verschwinden unzähliger Katzen verantwortlich, nicht aus der Welt zu schaffen. Wer konkrete Hinweise hat, kann hier ebenso Strafanzeige erstatten wie bei dem Verdacht, Katzen würden zur verbotenen Ausbildung von Kampfhunden eingesetzt. Dass Fellhändler Katzen einfangen lassen und deren Felle zu Rheumadecken verarbeiten, wird immer wieder vermutet. Altkleidersammlungen kommen in Verdacht. Es heißt, ein ganzes Netz von internationalen Tierfängern sei unterwegs. Doch Katzen- und Hundefelle können zu Spottpreisen in Asien erworben und ganz legal nach Deutschland importiert werden,da es nach wie vor kein Importverbot für Hunde- und Katzenfelle gibt. Trotz langjähriger Recherchen konnte kein Netz von Tierdieben aufgedeckt werden. Im Großraum München z.B. wurde vor etwa zwei Jahren wegen des Verdachts des „organisierten Tierdiebstahls“ ermittelt. Laut Kriminalpolizei konnten aber keine Anhaltspunkte für ein tatsächliches Bestehen dieses Delikts gewonnen werden.
Dass Katzenhasser viele Katzen in ihrer Umgebung umbringen, könnte die regionale Häufung des Verschwindens erklären. In Einzelfällen konnte die Kriminalpolizei in solchen Fällen erfolgreich ermitteln.
Das Gerücht, gestohlene Tiere würden bei „Schwarzen Messen“ getötet, wird in aller Regel nicht durch die Untersuchungen bestätigt und könnte nur berechtigt sein, wenn gezielt schwarze Katzen verschwinden. Andere Katzenhalter glauben, dass Diebe Rassetiere entwenden, um bei einer Suchmeldung Finderlohn zu kassieren.
Doch für alle diese Befürchtungen fehlen Beweise. Meist sind die Angaben der Betroffenen viel zu allgemein. Autokennzeichen wurden nicht notiert, Beobachtungen nicht so festgehalten, dass die Polizei ihnen nachgehen könnte.
Kerstin Schniederkötter/Heidrun Betz
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