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Keine Perspektive für die Straßentiere in Odessa? |
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Kurz vor Abschluss der Bauarbeiten fehlen die GelderErschienen in: du und das tier 6/2004, Seite 14/15
Über das Straßenhunde-/Tierheimprojekt des Deutschen Tierschutzbundes in Odessa (Ukraine) haben wir in du und das tier wiederholt berichtet (Zuletzt in du und das tier 2/2004, S. 36f). Inzwischen sind die Bauarbeiten im entscheidenden Stadium – doch es fehlt das Geld.
Bis zum Jahre 2000 waren Tierfänger im Auftrag der Stadtverwaltung Odessa damit beschäftigt, Hunde einzufangen, um sie anschließend in einer „Budka“ – wir übersetzen den Begriff mit „Todeshaus“– durch Ersticken mit Chloroform auf grausame Weise umzubringen. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass die Hundefänger die Felle sowie das Fett der Tiere zur Aufbesserung ihrer Löhne in einem schwunghaften Handel in Bares umsetzten.
Von Tierfreunden wurde der Deutsche Tierschutzbund auf diesen unglaublichen Umgang mit Tieren aufmerksam gemacht. Präsident Wolfgang Apel setzte sich mit großartiger Unterstützung des damaligen Botschafters der Bundesrepublik in der Ukraine, Dr. Heyken, sofort mit der Stadtverwaltung Odessa in Verbindung, um dem Morden Einhalt zu gebieten.
Nach langen, zähen Verhandlungen erklärte die Stadt sich im Jahre 2001 im Rahmen eines Vertrages mit dem Deutschen Tierschutzbund bereit, das inhumane Töten einzustellen, der Errichtung einer provisorischen Tierauffangstation durch den DTSchB gemeinsam mit dem Tierschutzbund Odessa zuzustimmen und ein Gelände zur Verfügung zu stellen, auf dem der Deutsche Tierschutzbund ein Tierheim errichten kann um Tieren in Not die dringend erforderliche Hilfe zu gewähren.
Darüber hinaus ist nur durch ein solches Tierheim das straff zu organisierende und durchzuführende Kastrationsprogramm umsetzbar.
Erstmals war es damit einer großen, international anerkannten Tierschutzorganisation wie dem Deutschen Tierschutzbund gelungen, ein Tierschutzprogramm in dieser Stadt und damit ein Musterprojekt für die gesamte Region Osteuropas auf den Weg zu bringen. Innerhalb kurzer Zeit haben der Deutsche Tierschutzbund und der ihm angeschlossene Tierschutzbund Odessa eine Notaufnahmestation in einer Fabrikruine eingerichtet. Damit war sofortige dringende Hilfe möglich.
Bisher konnte mehr als 5.000 Straßenhunden das Leben gerettet werden. Parasitenbekämpfung, die Behandlung von Verletzungen, insbesondere jedoch die Kastration der Hunde sind seitdem Tagesaufgabe in der Notauffangstation. Bei einer von der Stadtverwaltung geschätzten Anzahl von ca. 80.000 Straßenhunden ist dies eine in jeder Hinsicht langfristige Aufgabe.
Zahlen darüber, wie viel frei lebende Katzen es in dieser Stadt gibt, liegen nicht vor. Aus unseren Gesprächen mit Tierfreunden wissen wir jedoch, dass sie ebenso verfolgt und gejagt werden. Sie leiden still und fallen weniger auf. Deshalb gilt es, mit unserem Engagement auch den Straßenkatzen von Odessa zu helfen.
Nach langjährigen, hartnäckigen Verhandlungen konnte Wolfgang Apel im Februar 2004 endlich mit der Stadtverwaltung den Pachtvertrag zur Nutzung eines 6,3 ha großen Geländes in der Nähe des Flughafens für das Tierheimprojekt aushandeln und unterzeichnen. Erst jetzt durfte gebaut werden.
Zwischenzeitlich war in enger Zusammenarbeit mit dem Bremer Architekten Walter Neumann und einem Architekturbüro in Odessa ein Tierheimprojekt erarbeitet worden, das ca. 500 Hunden und ca. 200 Katzen eine vorübergehende sichere Unterkunft bietet, in dem auch eine Tierklinik dafür sorgen wird, dass Kastrationsprogramme konsequent fortgeführt werden können.
Die voraussichtlich benötigten ca. € 550.000 für den Tierheimbau waren aus Sonder-Spenden für dieses Projekt aufgebracht worden.
Unmittelbar nach Baubeginn im März/April 2004 erreichte den Deutschen Tierschutzbund jedoch bereits eine von mehreren Hiobsbotschaften. In der Ukraine wurden innerhalb weniger Tage die Preise für Baustoffe zum Teil um bis zu 70 % und mehr erhöht. Angeblich sei dies die Folge des rasanten Anstieges des Ölpreises in diesem Land. Eine sofortige Prüfung in Odessa bestätigte diese Situation, die nicht vorherzusehen war.
Nahezu um € 300.000 wird sich der Tierheimbau nun verteuern - ein Betrag, den der Deutsche Tierschutzbund nicht zuletzt wegen der steigenden finanziellen Hilfen für die deutschen Tierheime nicht mehr zur Verfügung stellen kann. Nur durch Spenden - und hier zählt in der Tat jeder Euro - kann das Projekt gerettet und damit den tausenden von Straßentieren in Odessa eine Perspektive gegeben werden.
Wir wollen und dürfen keine Tierschutzruine hinterlassen - weder auf dem Tierheimgelände noch in den Köpfen der Menschen. Wir dürfen die vielen tierlieben Menschen in Odessa nicht enttäuschen, die alle Hoffnungen auf das Tierheimprojekt gesetzt haben. Sie glauben an uns, haben sich im Tierschutzbund Odessa organisiert, helfen mit die Hunde in gute Hände zu vermitteln und leisten Aufklärungsarbeit unter den Menschen um Respekt vor den Mitgeschöpfen einzufordern.
Die örtlichen Fernsehstationen sowie die Presse berichten regelmäßig positiv über die bisherige Entwicklung des Tierschutzes. Kinder bringen ihre Heimtiere in unsere offizielle Vertretung in Odessa um sie behandeln, vor allem aber kastrieren zu lassen. Vom Deutschen Tierschutzbund eingesetzte Tierärzte kastrieren Straßenhunde und erhalten dabei Unterstützung von den Menschen in den Wohngebieten. Bisher undenkbare Patenschaften wurden und werden für die Hunde in den Wohngebieten übernommen.
Wir konnten uns selbst überzeugen, wie harmonisch sich das Zusammenleben zwischen Straßenhunden und Menschen vollzieht. Eine Alles in Allem sehr positive Entwicklung des Tierschutzes in einem bisherigen Niemandsland auf diesem Gebiet in einer – gemessen an den Schwierigkeiten, denen man dort begegnet – relativ kurzen Zeitspanne.
Selbst die Stadtverwaltung Odessas hilft im Rahmen ihrer Möglichkeiten, wobei kein Geld zur Verfügung gestellt werden kann. Wer die Not der Menschen in Odessa erlebt hat, wird dies auch nachvollziehen können. Deshalb ist finanziell Hilfe von den Menschen aus der dortigen Region nicht zu erwarten.
Ein großartiges Projekt in dem Tierschutz und Menschenschutz sich ebenso ergänzen wie es gilt, Hilfe zur Selbsthilfe zu gewähren, droht zu scheitern. Es ist nicht auszudenken, wie viel tausende Hunde aber auch Katzen den kommenden harten Winter nicht überleben werden, wenn die versprochene Hilfe ausbleibt.
Noch ist es nicht zu spät. Bitte helfen Sie uns, damit die armen Geschöpfe, die vollends auf uns angewiesen sind, überleben können. Es darf nicht traurige Gewissheit werden, dass die junge Pflanze Tierschutz – Hilfe für Tiere in Not – in Odessa stirbt. Wir wollen alles daran setzen, dass es dazu nicht kommt.
Gerd Fischer
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